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Politik Elterndemo für Hebammen
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11:16 16.03.2014
Von Heike Stüben
Hebammen, hier mit Ministerin Kristin Alheit, haben am Sonnabend auf dem Asmus-Bremer-Platz demonstriert. Dreh- und Angelpunkt ist die Haftpflichtversicherung. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

 Mit der Demonstration reagierten die Eltern – wie auch in anderen Bundesländern - auf die aktuelle Bedrohung des Hebammenberufes. „Stell dir vor, es ist Geburt und keine Hebamme ist da“ hatte Stefanie Gerhardt  auf das Plakat geschrieben und am Kinderwagen befestigt. „Vor einem halben Jahr habe ich meine Tochter im Geburtshaus Kiel auf die Welt gebracht. Die Wünsche und Bedürfnisse von Frauen sind unterschiedlich. Deshalb ist es gut, dass wir wählen können, wie und wo wir unsere Kinder zu Welt bringen. Und für dieses Recht werden wir weiter vehement kämpfen“, sagte die junge Mutter aus Kiel. Jasmin Wenger sah das genauso. Alle fünf Kinder hat sie mit der Unterstützung ihrer Beleghebamme am Eckernförder Krankenhaus zur Welt gebracht und forderte:  „Wenn die Gesellschaft Kinder will, muss sie auch dafür sorgen, dass die Frauen vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit von der Hebamme ihres Vertrauens betreut werden können.“

Dass diese professionelle Begleitung bedroht ist, hat mehrere Gründe:  Die Haftpflichtversicherungen werden demnächst über 5000 Euro im Jahr kosten ¬¬-  für viele Hebammen unbezahlbar.  Im Sommer 2015 droht sogar das Aus der Versicherung - ohne die Haftpflicht dürfen die freiberuflichen Hebammen aber nicht arbeiten. Folge: Schon jetzt verlassen immer mehr Frauen den Beruf oder arbeiten zumindest nicht mehr in der Geburtshilfe.  Geburtshäuser finden nicht mehr genügend  Hebammen, immer mehr Geburtskliniken stehen vor der Schließung  – aktuell in Oldenburg, aber auch auf Föhr.

Für die Sicherung der freiberuflichen Geburtshilfe sind am Sonnabend in Kiel Hebammen und Eltern auf die Straße gegangen. Mehrere hundert Teilnehmer forderten von der Politik eine bessere Vergütung und die Klärung der ungelösten Haftpflichtfrage.

„Bei der Aussicht, nur noch in einem perinatalen Zentrum entbinden zu können und das ohne gute Vor- und Nachsorge durch qualifizierte und motivierte Hebammen, werde ich nicht nur von Angst erfüllt, sondern wütend“, sagte Berit Eigenbrod, Mutter und Stellvertreterin der Elterninitiative Geburt e.V.. Für den Vater Benny Steilmann muss das gesamte Entgeltsystem im Krankenhaus auf den Prüfstand. Es habe die „Mangelversorgung mit Geburtshilfe und Kinderheilkunde“ herbeigeführt. So sei die Vergütung pro Geburt in einer Geburtsklinik mit Belegärzten und Beleghebammen seit 2005 im Schnitt um 250 Euro gesunken. Wie Steilmann betonten viele Demonstranten, dass man weiter für das uneingeschränkte Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes kämpfen will.
Unterstützung bekamen  die Eltern und Hebammen in Kiel von Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) und Landtagsabgeordneten von Grünen, SSW und CDU.  Alheit hatte nach einem einhelligen Beschluss aller Landtagsfraktionen  durchgesetzt, dass die Bedrohung des Hebammenberufes  am 14. März im Bundesrat behandelt wurde.  Dort schlossen sich am Ende alle Bundesländer dem Antrag aus Schleswig-Holstein an. Nun müsse die Bundesregierung schnell eine Lösung finden – kurzfristig für die Haftpflichtversicherung,  aber auch langfristig eine bessere Bezahlung der Hebammen, forderte Alheit.  Und die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann versicherte: Bereits im April werde Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine Lösung des Versicherungsproblems vorlegen.  

Am Freitag hatte der Bundesrat einen Beschluss gefasst, der den rund 3500 freiberuflichen Geburtshelferinnen in Deutschland Rückendeckung gab. Demnach soll die Bundesregierung Lösungen prüfen. So könnte aus einem steuerfinanzierten Fonds Schadenersatz über einer bestimmten Obergrenze bezahlt werden, heißt es in dem Antrag mehrerer Länder mit SPD und Grünen in der Regierung.

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