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Politik Bald Anspruch auf Ganztagsschulen?
Nachrichten Politik Bald Anspruch auf Ganztagsschulen?
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00:17 31.07.2013
Von Uta Wilke
Den Gewerkschaften und der Industrie- und Handelskammer sind offene Ganztagsschulen, in denen die Teilnahme an den Nachmittagsangeboten freiwillig ist, auf Dauer nicht genug. Quelle: dpa
Kiel

Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, der ab dem 1. August gilt, sei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn KN-online. „Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Schulen ist die logische Konsequenz.“ Die Betreuungskette dürfe nach Krippe und Kita nicht mit der Einschulung abreißen. Den Gewerkschaften und der Industrie- und Handelskammer sind allerdings offene Ganztagsschulen, in denen die Teilnahme an den Nachmittagsangeboten freiwillig ist, auf Dauer nicht genug. Sie setzen ganz auf gebundene Ganztagsschulen, in denen die Teilnahme verpflichtend ist. In Schleswig-Holstein gibt es derzeit 796 allgemeinbildende Schulen und Förderzentren, davon sind 468 offene, 32 gebundene Ganztagsschulen.

Hans-Joachim Beckers, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Kiel, bemängelte: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, das sich noch mit der Halbtagsschule zufriedengibt.“ Die ganztägige Betreuung sei aber die „einzige Möglichkeit“, um die Ausbildungsreife von Schulabgängern deutlich zu verbessern und damit einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel zu leisten. 20 Prozent der Schulabgänger seien heute laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nicht in der Lage, „sinnentnehmend“ zu lesen.

„Wir verlieren junge Menschen“, sagte Beckers. Bildung sei die wichtigste Investition überhaupt und sinnvoller, als später teure Reparaturkosten zu zahlen. So müsse der Staat jährlich gut vier Milliarden Euro für die aufsuchende Sozialarbeit aufbringen. Die Ganztagsbetreuung gewährleiste außerdem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dadurch stiege die Frauenerwerbsquote, dies wäre ebenfalls ein Beitrag zur Fachkräftesicherung. Bliebe alles beim Alten, könnten allein in den Kammerbezirken Kiel und Flensburg im Jahr 2030 rund 53000 Fachkräfte fehlen. Beckers weiß, dass Land und Kommunen allein die Pläne nicht umsetzen können. Er sieht den Bund in der „Gesamtverantwortung“. Notwendig wäre es, familienpolitische Leistungen wie das Betreuungsgeld, „die ohne Effekt bleiben“, umzuschichten.

Ganztagsschulen seien auf dem Vormarsch, sagte Dirk Loßack, Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium. Sie zeigten, wie gute und gerechte Bildung funktionieren könne. „Mit der Festschreibung eines Rechtsanspruches allein ist es jedoch nicht getan.“

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