Ex-CDU-Generalsekretär Peter Tauber: „Habe mich für Kramp-Karrenbauer entschieden“
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11:40 30.11.2018
Früherer CDU-Generalsekretär Peter Tauber: Von meiner Nachfolgerin überzeugt. Quelle: dpa

Herr Tauber, die Regionalkonferenzen der CDU gehen in dieser Woche zu Ende. Hat sich der Prozess gelohnt?

Ich habe selbst an der Regionalkonferenz in Seebach teilgenommen und kann nur sagen: Dieses Format hat sich definitiv gelohnt. Denn damit haben die Mitglieder Gelegenheit, sich vor Ort oder via Livestream ein eigenes Bild von den drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Parteivorsitz zu machen. Und die Teilnehmerzahlen zeigen ja, dass das Interesse riesig war. Es ist noch kein halbes Jahr her, da haben politische Mitbewerber und manche Medien geätzt, die CDU sei nach Angela Merkel politisch und personell ausgeblutet. Durch den klugen und mutigen Schritt der Bundeskanzlerin, den Parteivorsitz abzugeben, strafen wir all diese Unkenrufe nun Lügen.

Haben Sie eine Favoritin oder einen Favoriten für die Nachfolge von Angela Merkel?

Mit Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer hat die CDU drei hervorragende Kandidaten zur Wahl. Alle haben Stärken. Friedrich Merz steht klar für wirtschaftlichen Sachverstand und eine transatlantische Ausrichtung der CDU. Das kann helfen in Zeiten, in denen diese Werte umstritten sind. Jens Spahn ist streitbar. Viele wünschen sich auch einen jüngeren Mann an der Spitze der Partei. Annegret Kramp-Karrenbauer wiederum hat bewiesen, dass sie versteht, was die CDU ausmacht – und sie kann zuhören und zusammenführen. Die Entscheidung auf dem Parteitag wird also für viele Delegierte nicht leicht. Dass ich dabei meine Nachfolgerin als Generalsekretärin, von der ich fachlich und menschlich schon lange überzeugt bin, unterstütze, wird niemanden verwundern.

Was hat Sie überzeugt?

Wir sind gut beraten, den Vorsitz der CDU jemandem anzuvertrauen, der umfassende Regierungserfahrung hat, der Wahlen gewinnen kann und gewonnen hat, der die Volkspartei CDU in ihrer ganzen Breite vertreten kann, und der anstatt die eigene Karriere unsere Partei voranbringen will. Für all das steht Annegret Kramp-Karrenbauer. Für mich kommt es darauf an, dass die CDU weiter am christlichen Menschenbild festhält. Das prägt nicht nur unsere Sozial-, Flüchtlings- und Gesellschaftspolitik, sondern sagt etwas darüber, welche Bürger diese Republik braucht: Menschen, die Verantwortung übernehmen für sich, aber auch für andere. Es kommt darauf an, dass die CDU dieses Land auf Kurs hält – klar proeuropäisch und transatlantisch. Selbst wenn dieser Kurs inzwischen von ganz rechts und links abgelehnt wird. Und es wird darauf ankommen, ob wir uns zutrauen, die Herausforderungen der Zukunft vom Klimawandel über die älter werdende Gesellschaft bis hin zur Digitalisierung anzupacken – damit das Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft auch dann noch gilt. Mit Mut und Zuversicht. Und das alles traue ich Annegret Kramp-Karrenbauer zu.

Und was fehlte Ihnen bei Spahn oder Merz?

Ich habe mich für jemanden entscheiden – und nicht gegen jemanden. Im Übrigen halte ich auch nichts davon, wenn manche jetzt befürchten, dass der neue Vorsitzende oder die neue Vorsitzende alleine entscheiden wird, wofür die CDU künftig steht. Das machen wir schon als Partei insgesamt. Es ist beispielsweise auch eine Legende, dass Angela Merkel die CDU im Alleingang in der Mitte verortet habe. Das hat sie gemeinsam mit der gesamten Parteiführung so gemacht – übrigens in der Tradition von Konrad Adenauer und Helmut Kohl. Und unser Platz muss auch weiter in der gesellschaftlichen Mitte sein, wenn wir Volkspartei bleiben wollen.

Welche Rolle sehen Sie für die beiden unter einer Parteichefin Kramp-Karrenbauer?

Annegret Kramp-Karrenbauer hat zurecht darauf hingewiesen, dass der Tag nach der Wahl der Parteiführung mindestens genauso so wichtig ist wie die Wahl selbst. Denn dann kommt es darauf an, ob wir in neuer Aufstellung gemeinsam nach vorne schauen und anpacken, ob wir geschlossen für eine erfolgreiche Regierungsarbeit unter Führung der Bundeskanzlerin und eine starke CDU kämpfen. Und da sollte jeder mit seinen Stärken, Erfahrungen und Ideen mitmachen.

Von Gordon Repinski/RND

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