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Politik Fall Khashoggi: USA heben Visa für saudische Verdächtige auf
Nachrichten Politik Fall Khashoggi: USA heben Visa für saudische Verdächtige auf
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07:10 24.10.2018
US-Präsident Trump im Weißen Haus. Quelle: imago stock&people/Chip Somodevilla
Washington

Im Fall Jamal Khashoggi heben die USA als erste Sanktion die Visa einiger saudischer Verdächtiger auf. Die Maßnahme sei nur ein erster Schritt, betonte Außenminister Mike Pompeo am Dienstag vor Reportern. „Diese Strafen werden nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gewesen sein.

Visadaten sind vertraulich, Pompeo nannte weder die Namen noch die Zahl der Betroffenen. Doch teilte später das Außenministerium in Washington mit, dass gegen 21 „saudische Verdächtige“ Einreisesperren verhängt worden seien.

Selbst nach dem Bekanntwerden mutmaßlich grausamer Details zu dessen Tötung sträubt sich Trump bisher gegen Forderungen nach einem Stopp einträglicher Waffengeschäfte mit dem Königreich. Zudem scheute er davor zurück, die saudische Führung gegen sich aufzubringen. Riad gilt Trump als wichtiger Partner in seiner Nahost-Agenda.

+++ Lesen Sie hier: Die dunkle Seite des Prinzen

Zuletzt mehrten sich im Kongress aber Stimmen, die Sanktionen gegen Saudi-Arabien wegen Khashoggi fordern, der in selbst gewähltem Exil in den USA lebte und kritisch über Kronprinz Mohammed bin Salman schrieb. Der Kolumnist der „Washington Post“ war am 2. Oktober nach dem Betreten des Istanbuler Konsulats verschwunden. Dort hatte er Dokumente für die geplante Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen wollen.

Trump: Tötung dilettantisch verschleiert

US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstagabend im Weißen Haus: „Ich habe gestern mit dem Kronprinzen gesprochen und er hat nachdrücklich gesagt, dass er damit nichts zu tun hatte, dass das auf einer niedrigeren Ebene war.“ Trump ließ offen, wer für das „totale Fiasko“ verantwortlich sein könnte. Aus seiner Sicht sei die Tötung Khashoggis aber dilettantisch verschleiert worden. „Die Vertuschung war eine der schlechtesten in der Geschichte von Vertuschungen.“

Trump kündigte an, über mögliche Sanktionen mit dem Kongress zu beraten – und zwar mit Vertretern seiner republikanischen Partei ebenso wie mit den oppositionellen Demokraten. Er hoffe auf überparteiliche Empfehlungen.

Erdogan: Tat bereits Tage im Voraus geplant

Türkischen Regierungsangaben zufolge wurde er von einem 15-köpfigen saudischen Agententeam gefoltert und getötet. Präsident Recep Tayyip Erdogan warf Vertretern des Königreichs vor, die Tat schon Tage im voraus geplant zu haben. Nach wochenlangen Dementis räumte Riad zuletzt Khashoggis Tötung ein, sprach aber von einem Versehen: Ein Streit sei in dem Konsulat in einen „Faustkampf“ ausgeartet.

Zwei saudische Regierungsbeamte räumten nun im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP ein, dass tatsächlich ein Team in die Türkei entsandt worden sei, zu dem ein Forensikexperte gehört habe. Einer der Gesandten habe – wie in türkischen Medien berichtet – zudem die Aufgabe gehabt, Khashoggis Kleidung anzuziehen und sich für den 59-jährigen Journalisten auszugeben. Doch beharrten sie weiter darauf, sein Tod sei keine Absicht gewesen.

Die Frage nach der Leiche Khashoggis

Die saudischen Entsandten hätten auf Basis einer von König Salmans Vorgänger Abdullah verfügten Anordnung gehandelt, wonach saudische Dissidenten ins Königreich zurückgebracht werden sollten. Ziel sei deren Teilnahme an einem „nationalen Dialog“ über die Zukunft des Landes, sagte die beiden Gewährsleute der AP.

Khashoggi habe im Konsulat aber eine freiwillige Rückkehr abgelehnt und dann gefragt, ob er jetzt entführt werde. Als ihm gesagt worden sei, dass er für ein Verhör an einen geheimen Ort gebracht werde, habe er um Hilfe geschrien. Eine nicht näher genannte Person habe ihn dann in den Würgegriff genommen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er sei gestorben. Neun Mitglieder des 15-köpfigen Teams seien in Panik geraten und hätten mit einem türkischen Komplizen schließlich den Plan gefasst, die Leiche wegzuschaffen. Keiner der Gewährsleute konnte türkische Angaben bestätigen, wonach der tote Khashoggi noch im Gebäude mit einer Knochensäge zerstückelt worden sei.

In Washington bezeichnete Trump die Vorgänge im Konsulat als „ein totales Fiasko“. Es handele sich um die „schlechteste Vertuschungsaktion in der Geschichte von Vertuschungsaktionen“, sagte er weiter. „Sie hatten ein sehr schlechtes ursprüngliches Konzept“, und das sei auch noch „schlecht ausgeführt worden“.

Von RND/dpa/AP