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Politik Wissenschaftler appellieren: Schüler haben Recht zu streiken
Nachrichten Politik Wissenschaftler appellieren: Schüler haben Recht zu streiken
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16:10 12.03.2019
Promi trifft Aktivisten: Luisa Neubauer und Jakob Blasel von „Fridays for Future“ vor ihrer Pressekonferenz mit Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen. Quelle: dpa
Berlin

Aus der Politik und von vielen Älteren kassieren die jugendlichen Klima-Aktivisten, die freitags für ihre Demos die Schule schwänzen, viel Kritik. An diesem Dienstag konnten sie nun mit gewichtiger Unterstützung auftrumpfen: Mehr als 12.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützen die Bewegung „Fridays for Future“.

Sie nennen sich „Scientists for Future“ und decken nach eigenen Angaben alle Disziplinen ab. „Wir sind die Profis und wir sagen: Die junge Generation hat Recht“, brachte der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen ihre Botschaft auf den Punkt, als er den Appell der „Scientists for Future“ gemeinsam mit drei klassischen Wissenschaftlern und einigen der Aktivisten in Berlin vorstellte.

Ohrfeige für Christian Lindner

Der Satz war auch eine Botschaft Richtung Bundestag: Von dort hatte sich jüngst der FDP-Chef Christian Lindner zu Wort gemeldet und die Forderungen der jugendlichen Protestbewegung kritisiert. Man könne von den Schülern nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Machbare und das ökonomisch Sinnvolle sähen, schrieb Lindner auf Twitter: „Das ist eine Sache für Profis.“

„Wir sehen nicht nur das technisch Machbare und das ökonomisch Sinnvolle, sondern zusätzlich das ökologisch Notwendige“, sagte die Wissenschaftlerin Maja Göpel. Sie und ihre Kollegen fordern radikale Veränderungen in der Art, wie die Deutschen Energie gewinnen, sich ernähren und fortbewegen – und die technisch und ökonomisch durchaus machbar seien.

80 Prozent der deutschen CO2-Emissionen entständen durch die Nutzung fossiler Energieträger, führte Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW in Berlin aus. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, dürfte Deutschland in spätestens 20 bis 30 Jahren keine Treibhausgase mehr produzieren. Kohle dürfe man bis 2030 fast gar nicht mehr nutzen, müsste aber auch aus Erdöl und Erdgas aussteigen. „Die Wissenschaft sagt eigentlich: Das ist kein Problem.“ Noch eine Ohrfeige für Christian Lindner.

Hirschhausen: „Das trifft nicht nur Eisbären“

Fernsehstar Hirschhausen soll nun als eins der bekanntesten deutschen TV-Gesichter aus dem Fernsehen die Brücke schlagen zwischen den jungen Leuten, die die Bewegung „Fridays for Future“ unterstützen und denen, die eher mit Unverständnis oder Herablassung reagieren.

Hirschhausen kann medienwirksam dagegenhalten: Er liefert die besseren Zitate als die hauptberuflichen Klimaforscher. „Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsgefahr“, sagte der studierte Mediziner etwa in Berlin. Für Ärzte wie ihn gehöre es zur Aufgabe, auf Gesundheitsgefahren hinzuweisen. Er spricht von Wasser- und Nahrungsmangel, die mit dem Klimawandel drohen, und direkten Hitzetoten. „Das trifft nicht nur Eisbären.“

Dabei verstehe er nicht, warum sich die Diskussion in Deutschland so oft darum drehe, dass Klimaschutz Verzicht bedeute, so Hirschhausen: Eine Ernährung, die das Klima schützt, mit viel Gemüse und wenig Fleisch, sei sowieso gesünder. „Es geht um einen Zuwachs an Lebensqualität. Und: Wir haben keinen Plan B.“

Anton Hofreiter: Politik muss nun handeln

Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist der Appell ein Weckruf an die Politik: „Die Profis haben gesprochen – und sie stehen hinter den Schülerinnen und Schülern“, sagte Hofreiter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Parlament und Regierung müssen sich mit ihren Forderungen auseinandersetzen – und zwar inhaltlich und nicht durch Scheindebatten um Schulpflicht.“ Die Verantwortung für ein Umsteuern liege bei der Politik und nicht auf der Straße, betonte der Grüne.

In Anspielung auf FDP-Chef Lindner sagte Hofreiter: „Die Faktenlage ist klar: Klimaschutz ist technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll, wird jedoch politisch blockiert.“ Die Bundesregierung müsse ihre „Klimakrisen-Verdrängungspolitik“ beenden, so der Grüne. „Der steigende Meeresspiegel und zunehmende Dürreperioden lassen sich nicht aussitzen.“

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Von Elena Butz/RND

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