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Politik Grüne in Bayern: Gut gelaunt im Spitzenfeld
Nachrichten Politik Grüne in Bayern: Gut gelaunt im Spitzenfeld
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07:03 05.09.2018
„Ich stehe für Politik, die Mut gibt, statt Angst zu machen“: Katharina Schulze. Quelle: Foto: Lino Mirgeler/dpa
München

Katharina Schulze hat gut lachen. Im Interview, im Bierzelt, auf Selfies – die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen legt fast immer eine bemerkenswert gute Laune an den Tag.

Nun mögen Umfragen, die die Grünen als zweitstärkste Kraft in Bayern sehen, Grund genug dafür sein. Oder ist es umgekehrt? Vielleicht haben die Grünen ihre gute Ausgangslage dem fröhlichen Gemüt der 33-Jährigen zu verdanken und dem locker-heiteren Stil, mit dem sie Wahlkampf macht. Mit bangen Fragen braucht man ihr jedenfalls nicht kommen. „Können wir bitte mal damit aufhören, ständig über Hass, Gefahren und Eskalationen zu reden?“, kontert sie dann. „Man kriegt doch die Welt nicht besser gemeckert – man muss sie besser machen.“

Schulze, die aus Herrsching am Ammersee stammt, will über „positive Visionen für unsere Heimat“ sprechen und darüber, was der Einzelne dazu beitragen könne, sagt sie dem RND – und trifft offenbar bei vielen Bayern einen Nerv.

Es liegt was in der Luft

Nie zuvor waren die Grünen im Freistaat so stark. Zwischen 15 und 17 Prozent liegen sie in den jüngsten Umfragen, und: Erstmals hat die Partei die Marke von 10.000 Mitgliedern geknackt. Schulze sieht das so: „Ich spüre, dass etwas in der Luft liegt. Die Leute sind interessiert, sie stellen viele Fragen. ,Es ist jetzt Zeit, was zu tun‘ – den Satz höre ich oft.“

Dabei spart Schulze heikle Themen keineswegs aus. Gewalt und Kriminalität sind ihr Spezialgebiet. In der Fraktion ist sie für Inneres und Sicherheit zuständig, fuhr mal mit der Polizei nachts auf Streife. Schulze spricht von „vorausschauender“ Sicherheit: „Ich will, dass alle Menschen frei und sicher leben können.“ Daher richte sie den Fokus auf die Prävention von Gewalt, nicht nur auf Bestrafung: „Ich stehe für eine Politik, die Mut gibt, statt Angst zu machen.“

„Das Spiel wird ganz am Ende entschieden“

Die Grünen sehen sich in ihrer betont munteren Kampagne durch die Umfragen bestätigt. Doch Schulze mahnt zugleich zur Vorsicht. „Ich bin Handballerin“, und als solche wisse sie: „Es reicht nicht, wenn du in der ersten Halbzeit führst – das Spiel wird ganz am Ende entschieden.“

Zudem brächte ein Wahlerfolg so manche schwierige Frage mit sich. Etwa die nach einer Koalition mit der CSU, liebster Feind vieler in der bayerischen Grünen-Basis. Auffallend ist, dass sich Schulze und ihr Co-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann wenig an den Christsozialen abarbeiten. Berührungsängste? Nein: „Ich bin nicht in die Politik gegangen, um in aller Schönheit am Spielfeldrand zu stehen. Natürlich wollen wir Verantwortung übernehmen.“

Schulze hat neben Politik auch Psychologie und interkulturelle Kommunikation studiert. Nach der Wahl könnte sich das als nützlich erweisen, um die Gräben zur CSU zu überwinden.

Von Marina Kormbaki

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