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Bezahlbarer Wohnraum: Bund soll mehr tun

Hans-Joachim Grote Bezahlbarer Wohnraum: Bund soll mehr tun

Geld und weniger komplizierte Vorgaben - das erwarten die Bauminister vom Bund. Der Kieler Ressortchef Hans-Joachim Grote hält auch ein Umdenken in der Stadt- und Umlandplanung für erforderlich.

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Schleswig-Holsteins Bauminister Hans-Joachim Grote hat den Bund aufgefordert mehr für bezahlbaren Wohnraum zu tun.

Quelle: Frank Molter

Kiel. Schleswig-Holsteins Bauminister Hans-Joachim Grote hat den Bund aufgefordert, den Bau bezahlbarer Wohnungen dauerhaft finanziell zu unterstützen und Vorschriften zu vereinfachen. „Es besteht große Einigkeit unter den Bauministern aller Bundesländer über die dringende Notwendigkeit, mehr und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagte der CDU-Politiker. Grote hat mit Jahresbeginn für zwei Jahre den Vorsitz der Bauministerkonferenz übernommen, die im Oktober in Kiel tagen wird. Der Bund müsse sich über 2019 hinaus am sozialen Wohnungsbau der Länder beteiligen und Hürden auf dem Weg zu mehr bezahlbaren Wohnungen abbauen.

Dazu gehöre es, die Vorschläge einer Kommission zur Senkung der Baukosten aus der letzten Wahlperiode endlich konsequent umzusetzen, sagte Grote. Das gelte besonders für das energetische Bauen. „Das geplante Gebäudeenergiegesetz muss praktikabler sein und darf die Standards nicht weiter verschärfen“, sagte der Kieler Minister. „Es muss technologieoffen darüber nachgedacht werden, wie intelligente Gebäude- und Energietechnik bezahlbares Wohnen und Klimaschutz ermöglichen kann.“

Digitalisierung bietet neue Perspektiven

Als ehemaligem Oberbürgermeister von Norderstedt sei es ihm auch ein Herzensanliegen, die Städte in ihrer Verantwortung für das jeweilige Umland stärker zu unterstützen, sagte Grote. „Ich nenne als Beispiele nur den demografischen Wandel und die Digitalisierung.“ Beides werde einen erheblichen Anpassungsdruck auf die Strukturen in Städten und auch in ländlichen Regionen auslösen.

„So bietet die Digitalisierung dem ländlichen Raum neue Perspektiven etwa durch Heimarbeitsplätze“, erläuterte Grote. „Damit entstehen völlig neue Entwicklungspotenziale; es rücken individuelle Standortfaktoren in ein neues Licht und damit die Planung in kleineren Entwicklungsräumen.“ Andererseits könne man die W-Lan-Versorgung nicht anhand von Ortsgrenzen planen.

Sozialraumplanung für verschiedene Quartiere

Für die Städte komme es darauf an, von der alten Flächennutzungsplanung auf eine Sozialraumplanung für die verschiedenen Quartiere umzustellen, sagte Grote. Norderstedt zum Beispiel habe dies vor einigen Jahren getan. Von reinen Wohngebieten müsse man wieder wegkommen, Arbeiten und Wohnen verbinden, eine Nahversorgung und eine kleinteilige Mobilität ohne Zweitwagen für alle gewährleisten. Auch „wachsende“ Häuser, die mit Anbauten entsprechend wechselnden Bedürfnissen größer werden, seien ein Thema. „Es gibt Städte, die diese Entwicklung schon erkannt haben.“

Wenn früher der Weg zur Arbeit ein überragendes Kriterium für die Gunst einer Lage gewesen sei, spielten mit der Digitalisierung W-Lan-Versorgung, Kitas und Schulen in der Nähe sowie die Lebensqualität insgesamt eine stärkere Rolle, sagte Grote. „Viele Städte wollen auch nicht mehr wachsen.“ Dies schaffe neue Chancen für das Umland, wenn dort die entsprechende Infrastruktur geschaffen werde.

Grote: Starke Städte schaffen starke Regionen

Nachdem sich die Bauministerkonferenz in letzter Zeit mit einer Großstadtstrategie beschäftigt habe, solle sie jetzt den Fokus stärker auf die Klein- und Mittelstädte sowie deren Rolle und Möglichkeiten für Stadt- und Umlandentwicklung legen, sagte Grote. „Starke Städte schaffen starke Regionen.“ Die Städte müssten beispielsweise einen hinreichenden Ausgleich für ihre Leistungen zugunsten des Umlands bekommen, zum Beispiel für ihr kulturelles Angebot.

Der Kieler Minister hält es auch für erforderlich, die Bauordnungen der Länder zu harmonisieren. „Wenn ein Architekt aus Hamburg in der Hansestadt, in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern Häuser bauen will, muss er für jedes Land andere Auflagen beachten“, erläuterte Grote. „Das ist nicht zeitgemäß und sollte bei Berücksichtigung spezieller Landesinteressen zumindest zu einem deutlich höheren Teil von Regelungen führen, auf die sich alle Länder verständigen.“

Von dpa

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