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09:18 29.06.2018
Heide Simonis (SPD) wird am 4. Juli 2018 75 Jahre alt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Heide Simonis, die einst so dynamische Powerfrau, sitzt im Rollstuhl. Sie leidet seit Jahren unter Parkinson. Seit einiger Zeit kommt eine Pflegerin ins Haus. Einen öffentlichen Empfang zum 75. Geburstag am 4. Juli 2018 gibt es nicht. Für Mitte Juli haben sie und ihr Mann Udo zu einer nachträglichen Feier einen kleinen Kreis von Freunden und Weggefährten in ihre Kieler Wohnung eingeladen.

Manchmal blitzt im Gespräch ihre messerscharfe Ironie durch, die ihr öfter Ärger eingebracht hatte. So beschrieb sie 1995 mit den Worten „Wie kleine Jungs, die im Sandkasten mit ihren Förmchen spielen“, den Führungsstreit ihrer Amtskollegen Gerhard Schröder (Niedersachsen) und Oskar Lafontaine (Saarland) mit Parteichef Rudolf Scharping. Den damaligen Kanzler Helmut Kohl nannte sie in Österreich einmal den „Dicken“. Simonis sei halt keine Dame, keilte Kohl zurück.

Nachdem die gebürtige Bonnerin ihren als Berater tätigen Mann nach Sambia und Japan begleitet hatte, war sie 1976 als jüngste Abgeordnete in den Bundestag eingezogen. Dort behauptete sich die Diplom-Volkswirtin im männerdominierten Finanzausschuss. 1988 holte Björn Engholm sie als Finanzministerin nach Kiel in die Landesregierung.

Heide Simonis übernahm 1993 die Regierung

Nach Engholms Sturz über Spätfolgen der Barschel/Pfeiffer-Affäre von 1987 übernahm sie 1993 das Regierungsruder. Sie brachte das Land auf Modernisierungskurs, aber eine dramatisch wachsende Verschuldung konnte die einst als „Sparkommissarin“ titulierte Politikerin in der damals schlechten Haushaltslage nicht verhindern. Den erhofften Sprung ins Bundeskabinett als Finanzministerin versagten ihr Schröder und Lafontaine. Dafür war die Liebhaberin auffälliger Hüte ob ihrer unkonventionellen Art gerngesehener Gast in TV-Talkshows.

Zwölf Jahre nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin kam das abrupte Ende. Simonis wollte eine rot-grüne Minderheitsregierung führen, mit dem dänisch orientierten SSW (Südschleswigscher Wählerverband) als Tolerierungspartner. Vier quälende Abstimmungen mit einer fehlenden Stimme ließ sie über sich ergehen - dann war Schluss. Peter Harry Carstensen, ihr Duz-Bekannter aus dem Bundestag, trat an die Spitze einer CDU/SPD-Koalition.

Starkes Engagement für Kinder

Die kinderlos gebliebe Simonis hat sich immer stark für Kinder engagiert. Gut ein halbes Jahr nach ihrem Aus im Landtag übernahm sie den Vorsitz von Unicef Deutschland; nach einer Spendenaffäre um das Kinderhilfswerk trat sie Anfang 2008 zurück. 2006 sorgte die damals 62-Jährige mit Auftritten in der RTL-Show „Let's dance“ für Aufsehen. Sie wollte mit ihrer Teilnahme auf Unicef aufmerksam machen, sagte sie damals. Die Zuschauer unterstützten sie, der Boulevard verhöhnte sie als „Hoppel-Heide“. Simonis war tief getroffen, sprach von einer geschmacklosen und frauenfeindlichen Kampagne.

Gesellschaftlich engagierte sie sich weiter - für Sterbende, als Patienten-Ombudsfrau und als Präsidentin des Landes-Sängerbundes. Zu Hause, inmitten von Büchern und Flohmarkt-Trophäen, pflegte Simonis außer dem Bücherschreiben ein weiteres Hobby: Sie nähte nach dem Vorbild amerikanischer Siedlerfrauen Stoffteile zu Quilts zusammen. Vor gut einem Jahr kam sie nach Eckernförde zur Eröffnung einer Ausstellung mit Quilts, die sie in fast 20 Jahren gefertigt hatte.

Heide Simonis ist Ehrenbürgerin

Eine besondere Ehre wurde ihr vor vier Jahren zuteil: Der damalige Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) verlieh ihr als erster Frau die Ehrenbürgerwürde des Landes. Sie habe das Erscheinungsbild des Landes entscheidend geprägt, das mit ihr einen großen Sprung in die Moderne gemacht habe, sagte er. Albig würdigte Simonis als herausragende Persönlichkeit und Vorreiterin für andere Frauen.

Auf die Frage nach Wünschen sagte Simonis vor ihrem 75.: „Ich habe mit dem Herrn Parkinson noch ein Hühnchen zu rupfen“. Und: „Ich möchte gern mal wieder eine Urlaubsreise nach Pennsylvania machen – zu den Amischen (Die Angehörigen dieser streng religiösen aus Deutschland stammenden Glaubensgemeinschaft leben zurückgezogen von der modernen Welt) und ihren schönen Quilts.“

Von dpa

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