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07:27 10.01.2017
„Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagte die Golden-Globegewinnerin Meryl Streep. Quelle: imago
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Hannover

Es lebt noch, das andere Amerika. 60 Tage lang hat es geweint, gehadert, getrauert und gelitten. Jetzt kämpft es. Zwölf Tage vor der Vereidigung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA feiern Amerikas Liberale Meryl Streep als kraftvolle Stimme aller aufrechten Demokraten, die nicht bereit sind, ihren Frieden zu machen mit einem Präsidenten, der Manipulation, Anti-Intellektualismus und das Befeuern von Ressentiments für legitime Mittel der politischen Auseinandersetzung hält.

Hollywood als gesellschaftspolitisches Korrektiv

Nein, lautete die Botschaft von Streeps 347-Sekunden-Appell bei der Golden-Globe-Gala. Sie wolle das nicht. So nicht. Nicht in ihrem Amerika. Nicht mit ihr. Donald Trump hat vielleicht die Wahl gewonnen, aber noch lange nicht den Kulturkampf um die amerikanischen Hirne und Herzen. Jubel im Publikum. Aber auch einzelne konsternierte Blicke. Der scharfe Bruch, der das Land spaltet, ist bis ins Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills spürbar.

Einmal mehr versteht sich Hollywood als gesellschaftspolitisches Korrektiv, als Hort von Liberalismus und Freidenkertum mit Glitzerkleid und Goldpuder. Wie 1973, als Marlon Brando aus Protest gegen die Behandlung der Ureinwohner die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather seinen Oscar für „Der Pate“ abholen ließ. Wie 2003, als Michael Moore Präsident George W. Bush „Shame on you, Mr. Bush!“ nachrief.

Immer wieder streifen die Großen der Glamourwelt für Momente den schönen Schein ab, um ihre Popularität und Strahlkraft für höhere Ziele zu nutzen – genau wissend, welche irritierende Kraft ein solcher emotionaler Konventionsbruch haben kann.

Trumps dünnhäutige Twitter-Reaktion – Streep sei „eine der meistüberschätzten Schauspielerinnen in Hollywood“ – zeigt, dass dieser Mechanismus auch heute noch funktioniert. Es ist die zweite große Rede nach Michelle Obamas fulminantem Auftritt im Wahlkampf („When they go low, we go high“), in der eine weibliche Ikone der US-Kultur ihren Willen artikuliert, ihr Land nicht zu den Vereinigten Trump-Staaten werden zu lassen. „Nimm dein gebrochenes Herz“, zitierte Streep ihre gerade verstorbene Kollegin Carrie Fisher – „und mache Kunst daraus“.

Balsam für die Seele

Das mag Balsam sein auf die Seelen der 180 Millionen erwachsenen Amerikaner, die den New Yorker Milliardär nicht gewählt haben. Allein: Gegen Trump helfen keine Tränen. Sondern nur der faire, beherzte, demokratische Wettstreit. Im vergifteten Klima der US-Politik muss sich Meryl Streeps Amerika hörbar machen. „Es gibt nichts Schlechtes an Amerika, das nicht mit dem geheilt werden könnte, was gut ist in Amerika“, hat Bill Clinton einmal gesagt. Amerika trägt die Kraft zur Selbstheilung in sich, tief in der nationalen DNA. Das ist es, woran Meryl Streep in ihrer Rede erinnert hat, nicht mehr und nicht weniger.

Von RND/Imre Grimm

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