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Politik In Amberg herrscht nach der Prügelattacke Redebedarf
Nachrichten Politik In Amberg herrscht nach der Prügelattacke Redebedarf
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11:28 03.01.2019
Blick über den Marktplatz und auf das Rathaus in Amberg (Oberpfalz). In einer Stadt in Bayern sind betrunkene junge Ausländer auf vorbeigehende Menschen losgegangen. Die Männer wurden gefasst. Quelle: dpa
Amberg

In Amberg herrscht zu Jahresbeginn Ruhe. Draußen ist es kalt und grau, die Sonne versucht sich durchzusetzen. Die Wartehalle des Kleinstadtbahnhofs ist gut besucht, Menschen gehen zur Arbeit, treffen sich in Cafés in der hübschen Altstadt. Ein paar Touristen machen Fotos am Marktplatz. Alles scheint wie immer - doch die Vorfälle vom Wochenende sind immer noch präsent:

Vier betrunkene Jugendliche hatten am Samstagabend am Amberger Bahnhof und in der Altstadt willkürlich Passanten attackiert. Tage danach gibt Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) Interviews zu dem Vorfall und berichtet von patrouillierenden Gruppen in der Stadt. Die NPD Nürnberg hatte Fotos ins Netz gestellt, auf denen vier Mitglieder mit Schutzwesten zu sehen sind. Es sollten „Schutzzonen“ in Amberg geschaffen werden, heißt es dort.

Die Beschuldigten sind nach Angaben der Polizei Asylsuchende aus Afghanistan und dem Iran. Zwölf Menschen im Alter von 16 bis 42 Jahren wurden verletzt, die meisten leicht. Ein 17-Jähriger musste wegen einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus. Ganz Deutschland redet über die Vorfälle, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erneuert seine Forderung nach schärferen Abschieberegeln.

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Die Vorfälle vom Wochenende sind ein Schock für viele Einheimische. „Wir sind klein und verschlafen, dachte ich bisher immer“, sagt eine 33-jährige Ambergerin. Eine solche Prügelattacke habe sie hier nicht für möglich gehalten. Normalerweise passiere so etwas „weit weg“, sagt eine andere Einwohnerin, „jetzt direkt hier am Bahnhof, das ist schon verrückt“.

Verunsicherung, Wut, Ärger

„So was bleibt nicht ohne Wirkung“, meint Oberbürgermeister Cerny, das sei aber auch „vollkommen normal“. Er merke, „dass der eine oder andere Amberger sagt: „Fühle ich mich da jetzt noch sicher?““. Dazu gehen die Meinungen der Amberger auseinander. Während manche stark verunsichert sind, zeigen sich andere wütend und ärgern sich darüber, dass die Taten unter anderem von rechten Gruppierungen ausgenutzt würden.

„Ich gehe um fünf Uhr morgens in die Arbeit, und da wird es dir schon anders“, erzählt eine Frau, sie denke jetzt über einen kleinen Waffenschein für ein Pfefferspray nach. Zwar gebe es „solche Idioten überall“, sagt sie, es sei aber „schon auffällig“, dass es Ausländer waren. Auch Tanja Brück aus Amberg sagt, „es passt ins Bild“. Jetzt sei ihr wieder bewusster, dass schnell etwas passieren könne.

Die Täter hätten ebenso Deutsche seien können, sagt hingegen Benedikt Kraus aus Amberg - so eine Tat scheine etwa Horst Seehofer „gut in den Kram“ zu passen. Es wird viel diskutiert im Freundes- und Bekanntenkreis, berichtet Ruth Lobensteiner. Sie habe sich über die willkürlichen Taten erschrocken, aber keine Angst in die Stadt zu gehen. Sie ist überzeugt davon, dass es keinerlei Zusammenhang mit der Nationalität der Beschuldigten gibt. „Mit Sicherheit hätten das genauso gut Deutsche sein können, gerade wenn Alkohol im Spiel ist.“

Rückgehende Zahlen im Bereich der Gewaltdelikte

Alkohol sei oft das Problem, sagt auch Paul Hartl, Gastronom im Amberger Bahnhof. Seit den 90er Jahren erlebt er an Bahnhöfen immer wieder Gewalt von Menschen jeglicher Herkunft. „Ich unterscheide immer zwischen Idiot und Nicht-Idiot.“ Er merkt am Mittwoch bei seinen Kunden keine große Verunsicherung und kann sich nicht vorstellen, dass die Geschehnisse die Stadt nachhaltig verändern.

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Auch Oberbürgermeister Cerny glaubt und hofft das nicht. „So einen Vorfall wie jetzt, den haben wir uns eigentlich nicht vorstellen können und auch nicht wollen“, sagt er zur Sicherheitslage in seiner Stadt. „Wir haben die letzten Jahre eigentlich rückgehende Zahlen gehabt im Bereich der Gewaltdelikte, wir haben eine höhere Aufklärungsquote der Polizei gehabt, insofern insgesamt eigentlich eine sehr gute Sicherheitslage.“ Ihm ist es wichtig, nicht jeden Asylbewerber unter Generalverdacht zu stellen. Ein Wunsch, den viele in der Stadt haben.

Von RND/dpa/ngo

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