2 ° / -2 ° Schneeregen

Navigation:
Japan und China liefern sich Wortgefecht im Inselstreit

Konflikte Japan und China liefern sich Wortgefecht im Inselstreit

Neue Eiszeit im Verhältnis zwischen China und Japan: Im Streit um Inseln im Ostchinesischen Meer wird der Ton zunehmend schärfer. Keiner der beiden Nachbarn scheint zu einem Kompromiss bereit.

Voriger Artikel
Mutmaßlicher Drahtzieher des Mohammed-Videos verhaftet
Nächster Artikel
Amnesty: "Grausame" Haftbedingungen in Kalifornien

Ein chinesisches Patrouillenboot wurde von der japanischen Küstenwache gesichtet.

Quelle: Japan Coast Guard

Tokio (dpa) - China und Japan haben sich ein heftiges Wortgefecht im Streit um unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer geliefert. In einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York beschuldigte der chinesische Außenminister Yang Jiechi Japan, die Felseninseln von China "gestohlen" zu haben. Das meldeten japanische Medien am Freitag.

Der japanische Vize-Botschafter bei den UN, Kazuo Kodama, konterte prompt, die Inseln gehörten auf Basis historischer Fakten und internationalen Rechts klar zu Japan. Ausgelöst wurde die schwere Krise durch den Kauf von drei der in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannten Inseln durch Japan. Um die Inseln gibt es reiche Fischgründe. Außerdem werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Die Verstaatlichung der Inseln durch Japan fordere auf schwerwiegende Weise die "internationale Nachkriegsordnung" heraus, wurde Yang weiter zitiert. Die fünf Inseln und drei Felsen gehörten seit uralten Zeiten zu China, Japan habe sie 1895 nach seinem Sieg im chinesisch-japanischen Krieg von China "gestohlen".

Das Außenministerium in Tokio behauptet dagegen, die Inselgruppe sei bei der Besetzung durch Japan 1895 "terra nullius", also staatsrechtlich herrenlos, gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kontrollierten die USA die Inseln zunächst und überließen sie 1972 mit Okinawa Japan - ohne allerdings Stellung dazu zu beziehen, wem sie gehören. China habe damals keine Einwände dagegen erhoben, heißt es in Tokio.

Chinas Außenminister Yang dagegen erklärte nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nun, Japan sei nach internationalen Verträgen verpflichtet gewesen, die Inseln nach dem Krieg China zurückzugeben. Dass Japan drei der Inseln kürzlich von ihrem japanischen Privatbesitzer gekauft habe, sei "absolut ungültig und illegal". Damit habe die japanische Regierung "auf grobe Weise Chinas Staatshoheit verletzt", sagte Yang.

China fordere Japan auf, "unverzüglich jegliche Aktivitäten zu beenden, die Chinas territoriale Staatshoheit verletzt". Japan müsse "konkrete Handlungen vornehmen, seine Fehler zu korrigieren und auf den Weg zurückkehren, den Disput durch Verhandlungen zu lösen", wurde Yang weiter zitiert.

Japans stellvertretender UN-Botschafter Kodama habe darauf erwidert, die Senkaku gehörten eindeutig zu Japan. Dies reizte Chinas UN-Botschafter Li Baodong zum Konter: Japans kürzlicher Kauf der Inseln sei "nichts anderes als Geldwäsche", wetterte er laut Kyodo.

Der verbale Schlagabtausch erfolgte, nachdem es kürzlich in China in Reaktion auf den Kauf der Inseln durch Japan zu teils gewaltsamen antijapanischen Massenprotesten gekommen war. Auf beiden Seiten bekommt die nationalistisch aufgeheizte Stimmung bisweilen sogar kriegerische Untertöne. Auch im japanischen Internet kursieren Kommentare, Japan sollte gegen China in den Krieg ziehen.

Als beide Länder in den 70er Jahren ihre Beziehungen normalisierten, waren sie übereingekommen, die Inseln dürften das bilaterale Verhältnis nicht belasten. Jahrzehntelang hatte Japan die Ansprüche Chinas und auch Taiwans auf die Inseln als Position mehr oder weniger stillschweigend akzeptiert. Doch nun behauptet Tokio, es gebe "keinen Territorialkonflikt zwischen Japan und China" - was bedeuten soll, dass die Sache im Sinne Japans geklärt sei. China, so schreibt auch Kyodo, habe erst in den 70er Jahren Ansprüche auf die Inseln erhoben, seitdem Studien ergäben hätten, dass es im Gebiet der Senkaku lukrative Erdgasvorkommen geben könnte.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3