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Politik Juden und Muslime demonstrieren für Recht auf Beschneidung
Nachrichten Politik Juden und Muslime demonstrieren für Recht auf Beschneidung
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10:26 10.09.2012
Juden und Muslime demonstrieren in Berlin für das Recht auf religiöse Beschneidungen. Quelle: Florian Schuh

Viele Teilnehmer trugen eine Kippa, die traditionelle männliche jüdische Kopfbedeckung.

Der Protest richtete sich gegen das Urteil des Landgerichts Köln, das die Beschneidung als Körperverletzung bewertet hatte. Das Gericht hatte damit erhebliche Unruhe bei jüdischen und muslimischen Gemeinden in der Bundesrepublik ausgelöst.

Die frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Lala Süsskind, zeigte sich bei der Kundgebung auf dem Bebelplatz erschrocken darüber, dass sich viele "inkompetente" Menschen in der Debatte geäußert hätten. "Das Ja zur Beschneidung muss in ein Gesetz gegossen werden", forderte sie.

Gleichzeitig lehnte Süsskind die Berliner Regelung ab, bis zu einem Bundesgesetz die Beschneidungen nur zu erlauben, wenn Eltern eine religiöse Begründung für den Eingriff liefern könnten. 70 Jahre nach dem Holocaust wolle sie sich nicht wieder gegenüber Behörden als Jüdin ausweisen müssen. "Sollen die Leute jetzt einen Judennachweis erbringen?", fragte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). Der Berliner Rabbiner Tovia Ben-Chorin meinte, Beschneidungen gehörten zum Kern des Judentums.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte, die Tradition der Beschneidung werde es auch in Zukunft in Deutschland geben. "Niemand wird die Beschneidungen stoppen können." Der Eingriff sei auch bisher unter strengen hygienischen Bedingungen vollzogen worden. Gleichzeitig forderte Kolat die Muslime auf, sich nach den jüngsten Übergriffen auf Juden der Debatte über den islamistischen Antisemitismus zu stellen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte am Sonntag, die Bundesregierung sei fest entschlossen, die Resolution des Bundestages für die Strafffreiheit von Beschneidungen "vollumfänglich umzusetzen".

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, kritisierte die Debatte um die Beschneidung. Nirgendwo auf der Welt werde von Kritikern des religiösen Rituals mit einer solch "schneidenden Schärfe, unerbitterlichen Härte und diesem rüden Anklageton" argumentiert wie in Deutschland, sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus".

"Ich empfinde es als unerträglich, dass man uns Juden als Kinderquäler abstempelt und jüdisches Leben als ein Stück illegitim dargestellt wird", sagte Graumann. Er betonte jedoch, dass die Juden sich ihre positive Zukunft in Deutschland nicht nehmen lassen würden.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte auf seiner Reise nach Jordanien und Israel die Diskussion. "Ich mache mir große Sorgen um diese Debatte. Sie wird außerhalb unseres Landes in gar keiner Weise verstanden", sagte er dem "Focus". Es müsse klar gestellt werden, dass in Deutschland religiöse Traditionen geschützt bleiben.

dpa

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