6 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Prien: Schätzung ist unverantwortlich

Grundschullehrer-Mangel Prien: Schätzung ist unverantwortlich

Über diese Zahl hat sich Karin Prien (CDU) richtig geärgert. Die Gewerkschaft GEW hatte am Mittwoch vorgerechnet, dass bis 2025 in Schleswig-Holstein rund 1500 Grundschullehrer fehlen würden. „Unverantwortlich“, sagt die Bildungsministerin.

Voriger Artikel
Länder wollen NPD das Staatsgeld entziehen
Nächster Artikel
Heinold wird jetzt die Stellvertreterin

Karin Prien: "Für Panikmache jedenfalls, die nicht nur von der GEW betrieben wird, sondern leider auch von der Bertelsmann-Stiftung, gibt es in Schleswig-Holstein keine Veranlassung."

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Im Interview spricht Bildungsministerin Karin Prien (CDU) über mehr Gehalt für Pädagogen und darüber, was an den Grundschulen schiefläuft.

Die GEW spricht von 1500 Lehrern, die an Schleswig-Holsteins Grundschulen bis 2025 fehlen. Ist diese Zahl realistisch?

Ich halte diese gegriffene Schätzung der GEW für unverantwortlich. Sie hat keine reale Grundlage. Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Zeitraum etwa 1250 Lehrkräfte durch Altersabgang verlieren werden. Aber wir bilden in dieser Zeit auch rund 1850 Lehrer aus, so dass wir allein schon dadurch zu einem Überhang kommen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass wir eine leicht steigende Schülerzahl haben oder durch den Ganztag möglicherweise mehr Lehrer brauchen, kommen wir noch ganz gut zurecht. Für Panikmache jedenfalls, die nicht nur von der GEW betrieben wird, sondern leider auch von der Bertelsmann-Stiftung, gibt es in Schleswig-Holstein keine Veranlassung. Und ich will noch etwas sagen: Diese Zahl 1500 ist auch deshalb unseriös, weil man über die Bertelsmann-Gesamtschätzung von angeblich 35000 nötigen Grundschulpädagogen in Deutschland offenbar einfach den Königsteiner Schlüssel gestülpt und dann noch ein bisschen draufgeschlagen hat – dann kommt man auf 1500. Mit Fakten hat das aber wenig zu tun.


Sie machen sich also keine Sorgen, dass die Grundschulen 2025 unterbesetzt sind?

Ich nehme das Thema Lehrkräftegewinnung sehr ernst. Wir sprechen laufend mit dem Ausbildungsinstitut für Lehrer IQSH und mit den Hochschulen darüber, ob wir genug ausbilden und wo und aus welchen Gründen die Engpässe in den Mangelfächern sind. Zweitens lassen wir erstmals eine Software entwickeln, mit der wir langfristige Prognosen für den Lehrkräftebedarf erstellen können. Über die GMSH läuft gerade eine Ausschreibung. Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer/Spätsommer eine Machbarkeitsstudie dazu haben und dann das Softwaremodul entwickeln können. So etwas gibt es in Deutschland noch nicht. Das Tool liegt hoffentlich noch im laufenden Jahr vor. Und ein Drittes: Wir entwickeln eine Schulverwaltungssoftware, damit wir künftig an allen Schulen und Schularten einheitliche Daten erheben können. In Schleswig-Holstein wird leider noch vieles mit Excel-Tabellen und händisch gemacht. Vieles könnte man längst professioneller machen – da haben wir von der Vorgängerregierung ein schweres Erbe übernommen.


Was muss sich an den Grundschulen ändern?

Wir diskutieren gerade mit Lehrern, Politik und allen Beteiligten, wie Grundschule 2030 aussehen soll. Es geht darum, dass mehr Schüler am Ende von Klasse 4 die Basisqualifikationen erreichen, damit wir in den folgenden Klassen weniger Reparaturarbeiten leisten müssen. Wir können uns nicht ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler leisten, die nicht in hinreichendem Maße Lesen, Rechnen und Schreiben beherrschen. Und es geht um das Erlernen eines Grundwortschatzes von 800 Wörtern am Ende des vierten Jahrgangs und um das Erlernen einer gebundenen Schreibschrift sowie das richtige Schreiben von Anfang an.


In den Lehrerkollegien fehlen Männer.

Das stimmt. Das liegt auch an der mangelnden Wertschätzung für den Beruf Grundschullehrer. Wenn wir nicht klar machen, dass die Lehrkräfte die entscheidenden Garanten für eine wirtschaftlich starke und demokratische Gesellschaft sind, haben wir ein echtes Problem. Auch die Besoldung spielt eine Rolle. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die A13-Eingangsbesoldung für etwas halte, das wir mit den anderen Bundesländern in den nächsten Jahren erreichen müssen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus Politik 2/3