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Politik "Rentenpläne zum Scheitern verurteilt"
Nachrichten Politik "Rentenpläne zum Scheitern verurteilt"
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09:01 11.06.2018
Von Ulrich Metschies
Den heutigen Rentnern in Deutschland geht es so gut wie nie. Für die künftigen Generationen dürfte sich das ändern. Quelle: Jens Büttner
Kiel

Auch Björn Christensen, Professor für Statistik und Mathematik an der Fachhochschule Kiel, sieht „wertvolle Zeit verloren“, weil Ergebnisse der gerade eingesetzten Rentenkommission erst in zwei Jahren vorliegen sollen.

Eine zehnköpfige Expertengruppe soll ein Konzept erarbeiten, mit dem die „doppelte Haltelinie“ im Rentensystem auch über 2025 hinaus gesichert werden kann. Demnach darf der Beitragssatz nicht über 20 Prozent des Bruttolohns steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken. „Ein einfacher Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, dass das nicht funktionieren kann“, kritisiert Christensen. „Was hier als möglich verkauft wird, ist die Quadratur des Kreises.“

Selbst ein Anstieg des Rentenbeitragssatzes von jetzt 18,6 auf 25 Prozent – so wie vom früheren Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) gefordert – werde nicht ausreichen, um das System mittelfristig zu stabilisieren. Die seit Jahren gute Konjunktur habe die aufziehenden Probleme des demografischen Wandels überdeckt: „Wir leben da in einer rosaroten Welt, aus der wir aber schnell wieder herausgeworfen werden können.“

Auch IfW-Ökonom Boysen-Hogrefe sieht dringenden Handlungsbedarf: „Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Was wir jetzt brauchen, ist ein Konsens für eine tiefgreifende Rentenreform.“ Doch statt zu handeln, wolle die Politik „das Thema wegschieben“. Das aber könne man nur solange, „bis einen die Zahlen einholen“. Eine Stabilisierung der Beiträge und Renten sei lediglich bis 2025 realistisch. Danach gerate die umlagefinanzierte Rente durch das Ausscheiden der „Baby-Boomer“ erheblich unter Druck: „Dann wird es richtig scheppern im System.“ Wolle man die Belastung unter heutigen Rahmenbedingungen allein durch Beitragserhöhungen kompensieren, so Christensen, müsse der Rentenbeitrag bis 2035 auf annähernd 29 Prozent klettern. Unrealistisch sei es aber ebenso, die Lücke mit höheren Steuerzuschüssen zur Rente zu schließen, die heute bereits rund 100 Milliarden Euro betragen. Christensen verweist auf eine Rechnung des Münchener Rentenexperten Axel Börsch-Supan, der den Mehrbedarf auf rund 80 Milliarden Euro schätzt.

Beide Wissenschaftler halten eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit für unabdingbar, wobei man jedoch nicht alle Berufe über einen Kamm scheren dürfe. Boysen-Hogrefe: „Die Rente mit 67 ist nicht das letzte Wort.“

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