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Politik Kramp-Karrenbauer zu Karnevalswitz: „Wir sind das verkrampfteste Volk der Welt“
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07:38 07.03.2019
Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihre Kritiker beim politischen Aschermittwoch in Demmin in die Schranken gewiesen. Quelle: www.imago-images.de
Demmin

Die große Sorge von Kramp-Karrenbauer ist erstmal das Bier, nach all diesem Ärger. Es ist noch einer dieser Karnevalsauftritte, bei dem letzten hat sie einen Witz gemacht über die Toiletten für Intersexuelle und dafür einige Kritik bekommen.

Jetzt ist sie nach Demmin gefahren, in einen kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Stralsund und Berlin. Angela Merkel hat hier jahrelang beim Aschermittwoch der Landes-CDU geredet, politische Standardreden waren das.

Und das karnevalistische und tatsächlich komische daran war, dass die Blaskappelle nach manchen Sätzen einen Dreifach-Tusch setzte. Merkel ist nicht mehr CDU-Chefin, sie hat ihrer Nachfolgerin den Termin vererbt. Kramp-Karrenbauer behauptet, es sei eine von Merkels Bedingungen für die Unterstützung als Parteichefin gewesen. Das ist vor allem deswegen interessant, weil Kramp-Karrenbauer zwar als Merkels Favoritin galt, das aber so offen noch nicht eingeräumt wurde von einer der beiden.

„AKKgate“ ist das Stichwort bei Twitter

Das Bier also. Das hat Angela Merkel in Demmin mal in den Kragen bekommen, von einem stolpernden Kellner. „Ich habe mit Erleichterung gesehen, dass das Bier sicher auf dem Tisch stand, und ich mit trockenen Kleidern vor uns reden kann“, sagt Kramp-Karrenbauer und hat den ersten fröhlichen Applaus.

Dann kommt sie aber doch schnell zur Debatte um ihren Witz. „AKKgate“ ist das Stichwort bei Twitter. Toiletten für Intersexuelle seien „für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen“, hat sie beim Karneval im baden-württembergischen Stockach gesagt.

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Respektlosigkeit haben ihr Grüne und SPD deswegen vorgeworfen, auch die Lesben und Schwulen in der Union waren sauer. Sie habe an dieser Stelle über „Emanzen und Machos“ geredet, sagt Kramp-Karrenbauer. Schließlich sei ihr vom „Narrengericht“ die „Entmannung der CDU“ vorgeworfen worden. Manche hätten die ganze Fastnacht damit verbracht, über ihren Witz zu diskutieren statt zu feiern, kritisiert sie. „Manchmal muss man vernünftig hinschauen, bevor man sich über etwas aufregt.“ Das Publikum jubelt.

Dass manche politischen Gegner und der Koalitionspartner SPD ihre Äußerungen zu einem Thema gemacht hätten, „zeigt, wie schlimm die Situation bei denjenigen sein muss“, sagte Kramp-Karrenbauer. Es sei „etwas ganz Wunderbares in unserem Land“, dass man im Karneval und der Kleinkunst „gerade nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss“.

„Offenbar gibt es keine Probleme mehr in diesem Land“

Kramp-Karrenbauer wirft ihren Kritikern vor, einen Witz groß geredet zu haben. „Offenbar gebe es keine Probleme mehr im Land. Sonst lass sich nicht erklären, warum „tagelang über so einen Blödsinn diskutiert wird“.

Tagelang hat sich die CDU-Chefin nicht geäußert, jetzt macht sie aus der Debatte selbst eine große Sache. Sie warnt: „Wenn wir da so verkrampfen wie in den letzten Tagen, geht ein Stück Kultur in Deutschland kaputt.“

Und sie zieht das Bild auch gleich noch etwas größer. Vor 30 Jahren, beim Fall der Berliner Mauer „waren wir das glücklichste Volk“, sagte sie „Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der Welt rumläuft.“ Feuerwerk dürfe man trotz Feinstaub lieben, findet sie. Und wer gerne Fleisch esse, sei nicht „der größte Verbrecher“. Es ist eine Philippika zur tatsächlichen oder gefühlten „political correctness“ der Gesellschaft.

Am politischen Aschermittwoch halten Politikerinnen und Politiker Reden, die möglichst witzig sein sollen. „Die CSU ergrünt, ohne zu erröten“, ertönt es da von der Bühne. Oder: „Ich warte ja nur darauf, dass er (Markus Söder) irgendwann pressewirksam in Latzhose, Jesuslatschen und mit Jutebeutel in die Staatskanzlei marschiert.“ Ein Überblick über die besten Sprüche.

Die wirklichen Probleme, das seien die Stärkung der Wirtschaft, der Schutz der Außengrenzen, die Abschiebung straffälliger Asylbewerber und der Bundesfinanzminister, der nur an die SPD-geführten Ministerien denke, sagt Kramp-Karrenbauer. Sie verweist auf die Europawahl und warnt davor, AfD zu wählen. Die stehe für Hass, Ausgrenzung und Nationalismus.

In Passau bei dem traditionell sehr krachledernen Aschermittwoch der CSU hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Vormittag an die AfD-Wähler appelliert: „Kehrt zurück, lasst die Nazis in der AfD alleine.“ Deren einziges Ziel sei Zerstörung.

In Demmin feiern mehrere Hundert Zuschauer Kramp-Karrenbauer ziemlich begeistert. CDU-Landeschef Vincent Kokert sagt: „Die zweite Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland wird auch von der Union sein.“

Von RND/Daniela Vates

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