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Politik Krise der Demoskopen – aber die Demokratie lebt
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22:31 27.03.2017
Die Saarland-Wahl wird für Schulz zum Debakel. Quelle: dpa
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Hannover

Hand aufs Herz: Hatten wir uns nicht schon vorgenommen, auf Meinungsumfragen ganz zu pfeifen? Beim Brexit lagen die Demoskopen daneben, Donald Trump hatten sie komplett unterschätzt. Und dennoch: Als Martin Schulz binnen weniger Tage zum Hoffnungsträger der Sozialdemokraten in Deutschland aufstieg, wurde wieder jede einzelne Umfrage als untrüglicher Beweis herangezogen. Bis zur nächsten Ernüchterung am Wahlabend: Im Saarland sahen die Demoskopen ein Kopf-an-Kopf-Rennen von SPD und CDU voraus, am Ende aber siegte klar die CDU. Wollen wir jetzt also wieder nichts mehr von Umfragen wissen?

Die Meinungsforscher tragen zu ihrer Verteidigung vor, dass die Wahlergebnisse oft gerade einmal 3 bis 4 Prozentpunkte von den Umfragen abweichen – das ist die normale statistische Fehlertoleranz. Was aber nützt diese Einsicht, wenn genau in diesem Toleranzbereich wegweisende Entscheidungen fallen? Für Umfragen gilt am Ende: Knapp daneben ist auch vorbei.

Die Unberechenbarkeit der Wähler

Meinungsforschung ist keine Kaffeesatzleserei. Die Branche kann ihr ramponiertes Image nur dann aufbessern, wenn sie ihre Probleme offenlegt – auch die hausgemachten: Die klassische Meinungsumfrage wird am Telefon gemacht. Weil aber immer mehr Deutsche auf einen Festnetzanschluss verzichten, erreichen die Meinungsforscher auch immer weniger Wähler, die auf ein repräsentatives Meinungsbild schließen lassen. Es wird Zeit, dass die Umfrageinstitute etwa parallel mit Online-Fragebögen nachrüsten, auch wenn das teuer ist. Die besten technischen Korrekturen werden jedoch nicht dabei helfen, das größte Problem in den Griff zu bekommen: die Unberechenbarkeit der Wähler.

Zwischen dem 22. März, dem Tag der letzten Umfrage zur Saar-Wahl, und dem Wahlabend am 26. März ist nichts Weltbewegendes geschehen. Dass Umfrage und Wahlergebnis trotzdem weit auseinanderliegen, liegt vor allem daran, dass sich sehr viele Wähler erst in den letzten vier Tagen entschieden haben. Wähler sind heute spontan. Sie schießen aus der Hüfte, wie gestern ein Meinungsforscher sagte. Wer hätte schon gedacht, dass die Furcht vor der AfD zu einer höheren Wahlbeteiligung im Saarland führen würde? Bei den Landtagswahlen im März vor einem Jahr gab es noch das Gegenteil – frühere Nichtwähler machten damals die AfD stark.

Was auf der einen Seite als Krise der Demoskopie erscheint, ist auf der anderen Seite also ein Lebenszeichen der Demokratie. Wie schön, dass Wahlabende wieder spannend sind. Auf Umfragen braucht man deswegen trotzdem nicht komplett zu pfeifen. Man sollte sie nur entspannter betrachten: als Momentaufnahmen, die Entwicklungen voraussagen können. Mal mehr, mal aber auch weniger.

Von RND/Jörg Kallmeyer

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