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Politik Medien wehren sich gegen Trumps Attacken
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16:24 12.01.2017
„Ihre Organisation ist furchtbar. Seien Sie ruhig“. Bei der Pressekonferenz attackierte Trump Journalisten persönlich. Quelle: AP
Washington

Eine gute Woche vor Beginn seiner Präsidentschaft hat Donald Trump in einer Pressekonferenz sein Regierungsprogramm vorgestellt - zumindest in Umrissen. Doch von der Würde eines künftigen US-Präsidenten war nichts zu spüren. Der Milliardär trat so aufbrausend und schroff wie zu Zeiten seines Wahlkampfes auf und lieferte sich hitzige Wortgefechte mit den Journalisten.

Dem Reporter des Nachrichtensenders CNN verwehrte er mit den Worten „Sie sind Fake-News“ jegliche Fragen. Der Sender hatte besonders ausführlich über das angeblich kompromittierende Material berichtet, das ein russischer Geheimdienst über den künftigen US-Präsidenten gesammelt haben soll.

Die internationale Presse kommentierte den hitzigen Auftritt des designierten Präsidenten Trump überwiegend kritisch. „Es war ein verrückter, verrückter Tag für die Politik in Amerika“, schrieb die „Washington Post“. Und fragte: „Ist das unser neuer Alltag?“ Die Zeitung schlug vor, eine unabhängige, transparente und überparteiliche Untersuchung einzuleiten, um den möglichen Einfluss Russlands auf den Wahlkampf zu klären. Und Trump müsse begreifen, dass seine Dementis zu seinen angeblichen Verbindungen nach Russland unglaubwürdig erscheinen, solange er seine Steuererklärung weiter unter Verschluss halte.

„Wie ein Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt“

Die „New York Times“ ging härter mit Trump ins Gericht. Er habe sich eitel und glitschig gezeigt, hieß es dort im Kommentar zu der Pressekonferenz. Die nüchterne Bilanz der „New York Times“: „Wenn irgendwer noch Hoffnung hegte, die große Verantwortung und die Würde der Präsidentschaft würden Trump besänftigen oder gar bescheiden werden lassen, erlebte einen Schock während seiner ersten Pressekonferenz als künftiger Präsident am Mittwoch. Schwülstig, eingebildet und aalglatt spielte Trump den selben billigen TV-Charakter, den er Öffentlichkeit seit Jahren anbietet.“

Der britische „Guardian“ urteilte, Trumps Präsidentschaft liege schon in Scherben, obwohl sie noch nicht einmal begonnen habe. Wenn die Pressekonferenz sein Drehbuch für das Management künftiger Krisen sei, könnten sich seine politischen Gegner „zurücklehnen und die Show genießen“. „Wie ein Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt, kann dieser Präsident nicht aus seiner Haut. Lasst die Verrücktheiten beginnen.“

„El País“ aus Spanien bilanzierte, Trumps düstere Drohungen etwa gegen die ins Ausland abgewanderte US-Pharmaindustrie passten eher zum Drehbuch eines Mafiafilms als zu einer Präsidentenrede. „Je näher Trump dem Weißen Haus kommt, desto berechtigter wird die Sorge über die Zukunft“, warnte die Zeitung.

„Amerikas Demokratie ist herausgefordert.“

Zum Verdacht, Trump sei durch den Kreml erpressbar, meinte die „Neue Zürcher Zeitung“: „Amerikas Demokratie ist herausgefordert, aber zweifellos stark genug, um diese Krise zu meistern.“ Innerhalb der republikanischen Kongressmehrheit trenne sich schon die Spreu vom Weizen: „Die Kriecher und Schmeichler, die Trump zuliebe über die Russland-Gefahr hinwegsehen wollen, und umgekehrt jene, die den Blick für übergeordnete Interessen nicht verloren haben.“ Nun müsse der Kongress eine eigene Untersuchung zu Vorwürfen einleiten, Russland habe kompromittierende Informationen über Trump in der Hinterhand.

„De Telegraaf“ aus den Niederlanden gab zu bedenken, für den obskuren Bericht über Trumps angebliche Verfehlungen gebe es nicht den geringsten Beweis. Aber über die genaue Rolle Russlands müsse schnellstens Klarheit geschaffen werden. Westliche Geheimdienste gingen nun davon aus, „dass Moskau es auch auf die Destabilisierung und Störung von Wahlen in anderen Ländern, darunter auch den Niederlanden, abgesehen hat“.

Die norwegische Zeitung „Aftenposten“ aus Oslo konnte sich eine gewisse Häme nicht verkneifen: „Trump hat im ganzen Wahlkampf in einer Tour gelogen. Jetzt muss er seine eigene Medizin schlucken.“

„Die Ära Trump beginnt mit einem Gewitter“

Der französische „Figaro“ bilanzierte, die Ära Trump beginne mit einem Gewitter. „Die vom künftigen Präsidenten gewünschte Annäherung mit Russland verkompliziert sich. Er läuft Gefahr, ständig als Lakai Putins behandelt zu werden.“

Der „Kommersant“ aus Moskau machte sich vor allem Sorgen über neue Forderungen republikanischer Senatoren nach weiteren Russland-Sanktionen. Dies enge Trumps Spielraum ein und mache ein Auskommen miteinender fast unmöglich, schrieb das Blatt. In den Überlegungen werde „Russland den Platz des Irans zugewiesen wird“.

Von RND/ton/dpa

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