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21:39 29.03.2016
Von Christian Hiersemenzel
In den kommenden Jahren dürfte die Zahl der Studierenden allein an der Kieler Uni von gut 25000 auf etwa 28000 steigen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Noch vor wenigen Jahren hatten Hochschulvertreter vor dem Landeshaus für neun Millionen Euro zusätzlich demonstriert. „Offenbar hatten wir eine Schere im Kopf“, stellte Prof. Udo Beer am Dienstag fest, Präsident der FH Kiel sowie stellvertretender Vorsitzender des Landesrektorenkonferenz – und neckte dann die Wissenschaftsministerin: „Man hätte uns billiger haben können.“ Kristin Alheit (SPD) hatte soeben mit den Hochschulvertretern eine Zielvereinbarung mit ungleich höhere Summen unterzeichnet. Beer war hochzufrieden: „Seit 20 Jahren ist strukturell endlich etwas passiert.“

Noch im laufenden Jahr steigert das Land die Grundfinanzierung der Hochschulen um zehn Millionen Euro und legt stufenweise in den drei Folgejahren weitere fünf Millionen obendrauf, so dass den Hochschulen ab 2019 eine Summe von 25 Millionen zur Verfügung steht. Hinzu kommen ungleich höhere Summen aus dem Hochschulpakt III, der jeweils zur Hälfte vom Land und vom Bund getragen wird und bis zum Jahr 2023 insgesamt 450 Millionen Euro ausschüttet. Dieses Geld soll vor dem Hintergrund doppelter Abitur-Jahrgänge vor allem zur Bewältigung der steigenden Studentenzahlen dienen. Gleichzeitig wurde den Hochschulen zugesagt, dass sie auch nach Auslaufen dieser Paktmittel dauerhaft jährlich 30 Millionen Euro zur Verfügung haben.

Verhältnis Student-Dozent an FHs verbesserungsfähig

„Eines ist sicherlich richtig“, sagte die Ministerin: „Die anderen Wettbewerber, insbesondere die finanzstarken Süd-Bundesländer, schlafen nicht.“ Schleswig-Holstein habe sich aber auf den Weg gemacht, wie Exzellenzcluster und der Erfolg beweisen würden, drei Leibniz-Campi nach Schleswig-Holstein geholt zu haben. Alheit betonte, dass mit den aufgestockten Mitteln auch Erwartungen verknüpft seien, die Qualität von Forschung und Lehre zu erhöhen, bestehende Überlasten abzubauen und Betreuungsrelationen zu verbessern. Diese seien vor allem an den Fachhochschulen verbesserungsfähig. Auf einen Dozenten kommen hierzulande 38 Studierende, während es im Bundesdurchschnitt 25 und an mancher FH sogar nur 16 sind. Die Universitäten bewegen sich dagegen im Rahmen. An der Christian-Albrechts-Uni Kiel (CAU) mit 400 Dozenten und 600 wissenschaftlichen Mitarbeitern studieren aktuell rund 25500 Männer und Frauen. Hier sind 200 zusätzliche Stellen geplant.

Die Vereinbarung komme zur rechten Zeit, stellte der CAU-Präsident, Prof. Lutz Kipp, fest. „Angesichts einer nach wie vor vorhandenen Unterfinanzierung der Hochschulen werden wir als Land maximale Energie aufbringen müssen, um in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative erfolgreich zu sein.“ Die Kieler Uni erhält mit 40 Prozent den Löwenanteil der Mittel. Die Europa-Uni Flensburg bekommt 8,5 Prozent, die FH Kiel 15 Prozent, die FH Lübeck 9,5 Prozent, die Lübecker Uni 8,5 Prozent. An die FH Westküste gehen 6,5 Prozent, an die Kieler Muthesius-Kunsthochschule 1,5 Prozent und an die Lübecker Musikhochschule ein Prozent.

Politisch längst nicht nur Lob

Warmer Regen? Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der FH Lübeck, schüttelte den Kopf. Doch, diese Vereinbarung sei „richtig toll. Aber es nicht ja nicht so, dass wir nicht wissen wohin mit dem Geld. das Ganze gewährt uns jetzt Spielraum und verhindert, dass wir abbauen müssen.“

Vertreter der Regierungskoalition äußerten sich lobend. „Studiert in Schleswig-Holstein, im echten Norden seid ihr gut aufgehoben“, sagte Martin Habersaat (SPD). Dagegen argwöhnte Volker Dornquast (CDU), dass die Vielzahl neuer Aufgaben nicht zu erreichen sei. Nach Ansicht von Christopher Vogt (FDP) sind die Millionen „das Mindeste, was unsere Landesregierung angesichts der hohen Studierendenzahlen für unsere chronisch unterfinanzierten Hochschulen tun muss“.

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