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Kommt die 28-Stunden-Woche für alle?

Metaller-Abschluss Kommt die 28-Stunden-Woche für alle?

Die Metallindustrie im Pilotbezirk Südwest hat sich auf 4,3 Prozent mehr Lohn geeinigt und das Recht der Arbeitnehmer, die Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf 28 Wochenstunden zu reduzieren - bei entsprechendem Lohnausgleich. Der Tarifvertrag könnte Vorbild für andere Branchen sein.

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Die Metaller haben ihre Forderung nach einer 28-Stunden-Woche durchgesetzt.

Quelle: Caroline Seidel

Kiel. Am Donnerstag verhandeln die Tarifparteien der norddeutschen Metallindustrie in Hamburg über die Übernahme des Abschlusses aus Baden-Württemberg. "Das ist der Einstieg in ein modernes Arbeitszeitmodell", sagte am Dienstag Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Beim Unternehmensverband Nord ist man nicht überrascht. "Wir spüren, dass bei Verhandlungen häufig nicht mehr der Verdienst im Vordergrund steht, sondern der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten, nach einer Vier-Tage-Woche oder Home-Office", sagt UV-Nord-Sprecher Sebastian Schulze. Häufig willigten die Betriebe ein, um Fachkräfte zu halten.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Nord schaut man entsprechend aufmerksam auf die Metaller. "Arbeitszeit ist auch für uns ein Riesenthema", sagt die stellvertretende Landesbezirksleiterin Conny Toepfer. "Dieser Tarifabschluss ist wirklich toll und für andere Branchen wegweisend." Das neue Modell könne angesichts drastischer Arbeitsverdichtung, Digitalisierung und ungünstiger Arbeitszeiten vor allem im Einzelhandel beispielgebend sein.

Bei der Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten, Genuss schaut man auf die Metaller nahezu neidvoll. Dort streitet man sich mit den Arbeitgebern seit Monaten über die Einführung einer Jahresarbeitszeit, um Stoßzeiten abzufedern – was auch eine 60-Stunden-Woche bedeuten kann. IG-Metall-Geschäftsführerin Stephanie Schmoliner sieht sich in gesellschaftlicher Verantwortung. "Die Starken müssen auch für die nicht so Starken etwas tun, damit am Ende alle souveräner über ihre Arbeitszeit sprechen können."

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Prioritäten ändern sich. Es gibt Zeiten, in denen sich der Mensch ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und eine Waschmaschine kaufen will. Dafür braucht er Geld, und das fällt in der Regel nicht vom Himmel, sondern will erarbeitet sein.

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