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Ministerin sieht darin große Chancen

Immer mehr Ältere Ministerin sieht darin große Chancen

Immer wieder warnen Politiker und Fachleute vor den Folgen einer älter werdenden Gesellschaft. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Alheit entwirft ein Gegenbild: von engagierten Rentnern, die viel geben können — wenn die Bedingungen stimmen.

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Eine aktive Teilhabe von älteren Menschen müsse noch stärker gefördert werden, sagt Schleswig-Holsteins Sozialministerin Alheit.

Quelle: dpa

Kiel. Die ältere werdende Gesellschaft in Deutschland ist für Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) kein Grund für Schreckensszenarien. „Ältere Menschen verfügen heute im Durchschnitt über eine höhere Bildung, ein höheres Einkommen, und sie leben länger in guter Gesundheit als in vorherigen Generationen“, sagte die Ministerin auf dem Nordeuropäischen Kongress für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen am Montag in Kiel. Die jetzige Generation der Älteren sei außerdem daran gewöhnt, zu partizipieren und sich einzubringen. „Darin liegen auch große Chancen“, betonte die Ministerin.

Dieses Potenzial sollte die Gesellschaft nutzen, sagte Alheit. Sie verwies etwa auf Projekte in Schleswig-Holstein, bei denen Senioren Jugendlichen beim Start ins Berufsleben unterstützen oder Kindern bei Hausaufgaben helfen. Eine solche aktive Teilhabe von älteren Menschen müsse noch stärker gefördert werden. „Das ist wirklich ein Beitrag, den wir als Gesellschaft brauchen“, betonte Alheit. So könnten Lücken geschlossen werden, die durch fehlenden Nachwuchs entstehen. Aber: „Das geht nicht von allein“, sagte die Ministerin. „Dazu müssen die passenden Strukturen geschaffen werden.“

Im Norden gebe es bereits wichtige Ansätze wie Workshops in Kommunen, um auf regionaler Ebene Angebote einzurichten. Dies solle ausgebaut werden. Günter Ernst-Basten, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Schleswig-Holstein, betonte, dass dies vor allem mit Blick auf die nicht so privilegierten Älteren wichtig sei. „Die Frage, wie bringe ich mich ein, ist vor allem ein Thema des Bildungsbürgertums“, sagte er. Es gebe aber eine große Gruppe, die weder finanziell noch sozial eigenständig das Potenzial dazu mitbringe. „Wir müssen versuchen, auch diese Menschen zu aktivieren, die das von sich aus nicht so drauf haben“, sagte Ernst-Basten. Der Anteil der von Armut bedrohten Älteren sei in den vergangenen Jahren immer größer geworden.

In Schleswig-Holstein lebten nach Angaben des Statistikamtes Nord Ende 2011 fast drei Prozent der über 64-Jährigen ganz oder teilweise von sogenannten Grundsicherungsleistungen, einer Art Sozialhilfe. Das waren insgesamt 16 527 Menschen im Alter von über 64 Jahren — gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr und 23 Prozent mehr als 2006. Den Angaben zufolge umfasste die Gruppe 65 plus in Schleswig-Holstein 2010 insgesamt rund 614 000 Menschen, das waren rund 22 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Bei dem zweitägigen Kongress in Kiel tauschen sich rund 160 Fachleute aus Deutschland, Dänemark, Polen, Lettland, Österreich und der Schweiz aus. Die Tagung ist Schleswig-Holsteins Beitrag zum europäischen Jahr „Aktives Altern“.

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