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Politik Profiling-Modell für Flüchtlinge
Nachrichten Politik Profiling-Modell für Flüchtlinge
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09:07 06.06.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
"Selbst wenn ein Asylsuchender später zurückkehren muss oder wieder will, dann geht er mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder zusätzlichen Fähigkeiten zurück, um seine alte Heimat mit aufzubauen", stellt Torsten Albig fest. "Dafür müssen wir die Voraussetzungen schaffen." Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die Landesregierung investiert allein in diesem Jahr rund 290 Millionen Euro, damit wir unserer humanitären Verantwortung gerecht werden können. Unser Ziel ist es, daraus unter anderem so bald wie möglich rund 3150 Erstaufnahmeplätze zu schaffen. Ebenso wollen wir von Beginn an die Möglichkeit schaffen, dass alle Flüchtlinge schnell Deutsch lernen. Genauso wollen wir die Kommunen mit einer Integrationspauschale von 900 Euro für jeden Menschen, der zu Ihnen kommt, dabei unterstützen, ihre wichtige Integrationsarbeit erfolgreich leisten zu können.

Mit den von uns vorgesehenen Maßnahmen, zu denen auch 240 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer gehören, ist unser Bundesland gut auf die bis zu 20 000 Flüchtlinge vorbereitet, die in diesem Jahr wahrscheinlich zu uns kommen werden.

Derzeit denken wir darüber nach, wie Zuwanderungs- und Integrationspolitik noch enger verzahnt werden können. Das ist ein bundesweit einmaliger Ansatz, den wir hier in Schleswig-Holstein verfolgen. Bei der integrationsorientierten Aufnahme von Flüchtlingen geht unser Land voran.

Was heißt das? Wir warten nicht auf das Ende eines Asylverfahrens. Wir versuchen vom ersten Tag an, die Flüchtlinge mit ihren Fähigkeiten in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wenn Flüchtlinge sich einbringen können, bringt das nicht nur sie selbst voran, sondern auch unser Gemeinwohl.

Vielerorts gründen sich Flüchtlingsinitiativen. In den Städten und auf den Dörfern finden sich Sportvereine oder freiwillige Feuerwehren, die Flüchtlinge einfach mitmachen lassen. Die dafür sorgen, dass aus dem Sie ein Wir wird.

Selbst wenn ein Asylsuchender später zurückkehren muss oder wieder will, dann geht er mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder zusätzlichen Fähigkeiten zurück, um seine alte Heimat mit aufzubauen. Dafür müssen wir die Voraussetzungen schaffen: Die Bundesregierung müsste etwa die Sprach- und Integrationskurse auch für Flüchtlinge mit ungesichertem Aufenthalt öffnen, damit keine Zeit verloren wird. Doch ich will nicht nur mit dem Finger nach Berlin zeigen.

Bei uns im Land beginnt es mit der Erstaufnahme. Erst wenn die Kapazitäten für den derzeitigen Andrang ausreichen, kann Integration vom ersten Tag an gelingen. Das Land erhöht daher seine Unterbringungsmöglichkeiten, so schnell es geht. An den Hochschulstandorten Flensburg, Kiel und Lübeck kommen jeweils 600 Plätze dazu. Wir halten die Nähe zu Studierenden für eine gute, integrationsfreundliche Lösung.

Wichtig ist, dass wir den Flüchtlingen nicht begegnen, als hätten sie etwas verbrochen. Viele von ihnen fliehen vor Verbrechen. Wir wollen die Erstaufnahmeplätze so bauen, dass wir die Gebäude später für studentisches Wohnen oder auch für Seniorenwohnungen nutzen können, wenn sie nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht werden sollten. Das ist kluge, vorausschauende Politik.

Ein paar Dinge wollen wir als Land künftig anders machen. Etwa bei der Frage, wie wir Flüchtlinge auf die Städte und Gemeinden verteilen. Bislang richtet sich das in erster Linie nach der Zahl der Einwohner. Nicht immer ist das sinnvoll. Künftig wollen wir die Verteilung stärker an örtlichen Gegebenheiten ausrichten: Ein junger syrischer Schäfer findet in Nordfriesland vielleicht eher eine Fortbildung in der Landwirtschaft als im Hamburger Rand. Ein syrischer Ingenieur hat vielleicht bessere Chancen in Brunsbüttel als in Ostholstein.

Schon in unseren Erstaufnahmen durchlaufen Flüchtlinge ein neuartiges „Profiling-Modell“. Auf gut Deutsch: Wir müssen sie einfach besser kennenlernen. Gemeinsam mit Sprachmittlern sollen deshalb ihre Kompetenzen, Abschlüsse und Berufserfahrung erfasst werden. Es gibt Arbeit. Unsere Aufgabe ist es, die Brücken zu bauen. Über Qualifizierung können wir die beruflichen Potenziale der Zuwanderinnen und Zuwanderer nutzen. Jeder Zuwanderer in Arbeit trägt zum Gemeinwohl bei, zur Wertschöpfung, zum Steueraufkommen. Aber noch wichtiger ist: Sie bereichern unsere Kultur, unser Zusammenleben. Sie werden gemeinsam mit uns unser Schleswig-Holstein im 21. Jahrhundert mitgestalten. Deshalb sind sie im echten Norden herzlich willkommen.

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