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11:20 23.10.2018
Migranten stehen nach ihrer Ankunft im Hafen von Malaga in einer Schlange vor einem Ärztezelt. Quelle: Jesus Merida/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
Madrid

Der Bundesnachrichtendienst (BND) beobachtet eine Verlagerung der Migrantenströme nach Europa. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf interne Unterlagen, das die Zeitung eingesehen hat. Demnach hat Marokko Libyen als Haupttransitland für die westliche Mittelmeerroute abgelöst. Die beliebteste Anlaufstelle in Europa ist nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migranten (IOM) in diesem Jahr Spanien. Die Zahl der dort ankommenden Migranten hat sich demnach innerhalb eines Jahres verdreifacht, während die Ankunftszahlen in Italien rückläufig sind.

Die Entwicklung kann vielerlei Ursachen haben. Sie kann etwa mit den Zuständen in Flüchtlingslagern in Libyen, der restriktiven Migrationspolitik in Italien, der Rückzug privater Rettungsorganisationen aus dem Mittelmeer und der Schließung der Balkangrenzen erklärt werden. Frontex-Chef Fabrice Leggeri äußerte sich bereits im Juli gegenüber der „Welt am Sonntag“ auf die Migrationsrouten angesprochen: „Wenn Sie mich fragen, was meine größte Sorge derzeit ist: Dann sage ich Spanien.“

Zwei Menschen sterben bei Grenzsturm auf Melilla

Viele Migranten versuchen zudem, über die in Nordafrika gelegenen spanischen Gebiete Melilla und Ceuta in die EU einzureisen. Erst am Wochenende kam es in der spanischen Exklave Melilla innerhalb von zwei Tagen zu zwei Massenanstürmen auf die Grenzabsperrungen. Zwei Flüchtlinge kamen bei dem Versuch ums Leben. Einer soll den Behörden zufolge einen Herzstillstand erlitten haben. 22 weitere Migranten und zwölf marokkanische Grenzwächter wurden verletzt.

Bis zu 4000 Euro für die Überfahrt nach Europa

Laut dem Bericht der „Bild“-Zeitung nutzen die Schleuser drei Routen, um Migranten über die spanischen Städte Cadiz, Gibraltar und Almeria die Einreise in die EU zu ermöglichen. Als Transportmittel sollen sie nach wie vor auf instabile Holz- und Schlauchboote zurückgreifen. Den Schleusern soll es den BND-Informationen zufolge möglich sein, rund 6000 Migranten pro Monat von Marokko nach Spanien zu schleusen.

Hinter den organisierten Einreisen verbergen sich laut dem Bericht rund 20 Schleuser, die teilweise mit marokkanischen Sicherheitskräften kooperieren und gute Kontakte zu den Behörden haben sollen. Weitere Helfer rekrutieren demnach die Migranten, die angeblich zwischen 1000 und 4000 Euro in bar für die Flucht bezahlen. Das Geld wandert dem Bericht zufolge unter anderem als Bestechung an die Küstenwache. Die Regierung soll bereits reagiert haben und das Personal teilweise wegen Vorfällen in der Vergangenheit ersetzt haben.

Laut IOM sind in diesem Jahr mehr als 36.600 von Marokko aus nach Spanien gelangt. Bereits mehr als 1780 Menschen sind in diesem Jahr bei dem Versuch, über das Mittelmehr nach Europa zu gelangen, ums Leben gekommen.

Von RND

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