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Politik Polizei verpasst Amri in NRW offenbar nur knapp
Nachrichten Politik Polizei verpasst Amri in NRW offenbar nur knapp
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20:45 17.01.2017
Wohl nur knapp verpasst: Polizisten am 22. Dezember vor der Flüchtlingsunterkunft in Emmerich, wo Amri Stunden zuvor wohl gewesen war. Quelle: Foto: dpa
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Berlin/Emmerich

Der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri ist den deutschen Behörden offenbar nur äußerst knapp entwischt. Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) zufolge wurde der 24-jährige Tunesier zwei Tage nach dem Berliner Anschlag in Emmerich am Niederrhein in einem Bus gesehen. Dem Bundeskriminalamt (BKA) liege die Aussage eines glaubwürdigen Zeugen vor, berichten Sicherheitskreise.

Demnach sei Amri am Mittwochmorgen, dem 21. Dezember, gegen 7 Uhr morgens in der Nähe seiner alten Unterkunft am Niederrhein aufgefallen. Das Heim „An der Tackenweide“ in Emmerich war seine letzte bekannte Adresse. Am 5. Dezember hatten ihn die Behörden dort von Amts wegen abgemeldet, weil Amri nicht mehr aufgetaucht war. Anscheinend hatte er dort aber noch Kleidung und Geld gelagert und für die Flucht geholt.

Amri reist von Emmerich nach Nijmegen

Bisher war bekannt, dass der Tunesier an diesem Tag um 11.30 Uhr auf dem Bahnhof von Nijmegen in Holland von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Die niederländische Grenzstadt ist nur 40  Kilometer vom niederrheinischen Emmerich entfernt.

Die Zeugenaussage wirft ein neues Licht auf Amris Fluchtroute. Nun steht immer drängender die Frage im Raum, warum der Attentäter nicht von deutschen Polizisten gefasst wurde. Amri floh mit Bus und Bahn durch halb Europa, bis er am 23. Dezember in Sesto San Giovanni bei Mailand von einem italienischen Polizisten erschossen wurde.

Am Tag nach dem Anschlag wurde bereits seine Brieftasche mit Duldungspapieren sowie sein Handy im Führerhaus des zerstörten Lkw gefunden, mit dem er auf den Weihnachtsmarkt gerast war. Aus Sicherheitskreisen verlautet zudem, Amri sei nicht nur bis zum Anschlag, sondern „bis zum Ende“ im Fokus der Behörden gewesen.

NRW-Innenminister jagt Maulwurf

Nur einen halben Tag, nachdem Amri von Emmerich nach Holland reiste, fuhren Polizisten und Medien vor der Unterkunft „An der Tackenweide“ vor – auf der Suche nach dem Attentäter. Die Razzia wurde vorab breit in den Medien angekündigt. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) gab bekannt, dass die Landespolizei wegen möglichen Geheimnisverrats ermittelt. Der politische Druck nicht nur auf Jäger, sondern auch auf Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nimmt jedenfalls zu.

An diesem Mittwoch ist der Fall erneut Thema im Bundestag. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz forderte gegenüber dem RND „sofortige Aufklärung“. Leiste die Bundesregierung ihren Beitrag nicht, werde sie „selbst zu einem Risiko für die öffentliche Sicherheit“. Von Notz: „Es stellt sich zunehmend die Frage, wer die politische Verantwortlichkeit für die Fehler und Versäumnisse trägt.“

Von RND/Jan Sternberg

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