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Protest per Wutfax: Tausende Ärzte piesacken Krankenkassen

Gesundheit Protest per Wutfax: Tausende Ärzte piesacken Krankenkassen

Tausende Ärzte haben mit einer Flut von Fax-Sendungen und weiteren Aktionen gegen die Krankenkassen ihre Proteste für mehr Honorar verstärkt.In 35 000 der knapp 90 000 Arztpraxen in Deutschland liefen die Aktionen für eine bessere Bezahlung und weniger Bürokratie nach Angaben der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) an.

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Mehr als ein Drittel der rund 90 000 Kassenarztpraxen in Deutschland beteiligt sich an den Protesten.

Quelle: Jens Wolf / Archiv

Berlin. . Ärzteverbände riefen die Mediziner für diesen Mittwoch dazu auf, ihre Sprechstunde ohne Praxishelferinnen zu bestreiten.

"Wir haben genug!", bekamen Mitarbeiter etwa des Kassen-Spitzenverbands in Berlin am Dienstag hundertfach auf Faxen zu lesen. "Wir sind keine geldgierigen Abzocker, Pfuscher, Betrüger und schon gar keine Millionäre." Auch die Telefonleitungen seien massiv von Faxgeräten angewählt worden, sagte ein Sprecher.

Beim Branchenführer Barmer GEK seien dagegen nur vereinzelt Protestfaxe eingetroffen, sagte ein Sprecher. "Da unsere Kommunikation fast ausschließlich über moderne Medien gewährleistet wird, stellen wir keine Beeinträchtigung fest."

Der Vorsitzende des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, sagte: "Die Kassen sollen den tief sitzenden Frust der Ärzte direkt zu spüren bekommen." Der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte bat seine Mitglieder schriftlich unter der Überschrift "Operation Shitstorm", das mitgelieferte Musterfax ab dem Morgen den ganz Tag über an Faxnummern von Kassen und Kassenverbänden zu schicken.

Der Sprecher des Kassen-Spitzenverbands, Florian Lanz, kritisierte: "Offensichtlich haben die an der Aktion beteiligten Ärzte Zeit dafür, während der Praxisöffnungszeiten selbst Massen-Faxe an die Kassen zu versenden - Zeit, die bei der Patientenversorgung mit Sicherheit fehlt."

Die Praxen wollten außerdem Kassen-Anfragen nur noch eingeschränkt bearbeiten und keine Bonushefte abstempeln. Für die Ermittlung der Zahl beteiligter Praxen sei eine Stichprobe erhoben und hochgerechnet worden, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir gehen davon aus, dass es noch mehr werden." Nachprüfen lässt sich kaum, wie groß die Dimension der Proteste ist.

Am Donnerstag sollen die Ergebnisse einer Urabstimmung unter den Fachärzten zu möglichen Praxisschließungen bekanntgegeben werden. Die Hausärzte wollten sich an den Protesten zunächst kaum beteiligen. Viele von ihnen profitieren von separaten Hausarztverträgen mit einzelnen Krankenkassen.

Allem Wirbel zum Trotz wollen KBV und Kassen-Spitzenverband an diesem Samstag im Erweiterten Bewertungsausschuss ihre Honorarverhandlungen wieder aufnehmen. "Der Verhandlungstermin findet statt", sagte Stahl. In diesem Gremium war die KBV zuletzt vom unabhängigen Vorsitzenden überstimmt worden - Ergebnis: 270 Millionen Euro mehr soll es 2013 geben. Gefordert hatten die Ärzte 3,5 Milliarden. Nun geht es noch darum, wie viele Hundert Millionen es zusätzlich durch die Anrechnung steigender Krankheitslasten in der Bevölkerung geben soll.

Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte beträgt laut KBV im Schnitt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach im Schnitt 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.

dpa

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