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Politik Putin stellt sich den Fragen seiner Bürger
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16:42 07.06.2018
Der Kümmerer im Kreml: Russlands Präsident Wladimir Putin. Quelle: Imago
Moskau

Alle Jahre wieder stellt sich der russische Präsident Wladimir Putin live im Fernsehen den Fragen der Bürger – und nutzt die Gelegenheit, sich als Problemlöser zu präsentieren. Nach Angaben des Fernsehsenders waren für die vierstündige Sendung „Direkter Draht“ mehr als zwei Millionen Fragen eingegangen. Sie wurden in einer Veranstaltungshalle in Moskau von jungen Leuten gesammelt, deren Uniform – weißes Hemd und rotes Haltuch – an die sowjetischen jungen Pioniere erinnerte.

Schärfe kam in die Sendung, als es um die Ukraine ging. Putin drohte dem Nachbarland, falls es während der kommenden Fußball-WM Stellungen der von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine angreifen sollte. „Ich hoffe, dass es nicht zu solchen Provokationen kommt“, sagte er. „Wenn das passiert, wird es, so sehe ich das, sehr schwere Folgen für die ganze ukrainische Staatlichkeit haben.“

Dorfbewohner bitten um Hilfe für ihre Schule

Auch wenn die Sendung weitgehend inszeniert ist, hat es sich doch eingebürgert, dass viele Russen Putin als letzte Instanz anrufen, wenn Arbeitgeber, Behörden oder Gerichte ihnen ihr Recht verweigern. Der Kremlchef als Kummerkasten der Nation. „Wladimir Wladimirowitsch, helfen Sie!“, baten Frauen in der abgelegenen sibirischen Region Altai, die eine Schließung ihrer Dorfschule befürchten.

Viele Russen hegten die Vorstellung, dass nicht der gute Zar, sondern sein Umfeld, die bösen Bojaren (Adeligen), schuld an Missständen sei, schrieb die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Technische Neuerung der Reality-Show in diesem Jahr war, dass Putin Kritik an die Bojaren weiterleitete. Minister und Gouverneure harrten vor der Kamera am Schreibtisch für den Fall aus, dass sie aufgerufen werden.

Ärger über steigende Benzinpreise

So beklagte sich der Vater einer kinderreichen Familie aus dem Gebiet Iwanowo, dass ein Hypothekenkredit für ihn unerschwinglich sei. Schon musste Gouverneur Stanislaw Woskressenski öffentlich versprechen: „Wir werden sehen, wie wir solchen Familien helfen.“

Kaum etwas hat das Millionenheer der russischen Autofahrer in den vergangenen Wochen so verärgert wie der Preisauftrieb bei Benzin. Also wurde ein Lkw-Fahrer eingeblendet, der am Steuer fragte: „Sagen Sie bitte, wie lange die Benzinpreise noch steigen werden?“ 45 Rubel (0,62 Euro) koste ein Liter Diesel. „Im März hat das ganze Land Sie gewählt, und Sie können die Benzinpreise nicht stoppen?“

Der Volkszorn wird abgebogen

Die Regierung habe schon Maßnahmen ergriffen, sagte Putin. Rasch mussten Energieminister Alexander Nowak und Vizeregierungschef Dmitri Kosak Auskunft geben. Die Einigung besteht bislang darin, dass die Ölfirmen die Preise nicht mehr so stark erhöhen, der Staat dafür Steuern und andere Abgaben senkt, also auf Einnahmen verzichtet. So wird der Volkszorn abgebogen.

Der Kreml erfährt aus dem „Direkten Draht“ besser als aus Umfragen, wie das Volk tickt. Doch es gibt auch Kritik an der „Handsteuerung“ von Problemen durch Putin. Die Anrufung des Zaren wäre nicht nötig, wenn andere Teile des Staatsapparates unter Putins Herrschaft nicht so verkümmert wären, meint die „Nesawissimaja Gaseta“.

Von RND/dpa

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