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17:25 08.02.2016
War von 1971 bis 1976 einziger SSW-Abgeordneter im Landtag: Karl Otto Meyer. Quelle: Angelika Warmuth/dpa
Schafflund

Trauer um eine Politiker-Legende im Norden: Der bekannteste Vertreter der dänischen Minderheit in Deutschland, Karl Otto Meyer, ist tot. Er starb nach Angaben des SSW am Sonntagabend im Alter von 87 Jahren in seinem Wohnort Schafflund bei Flensburg. Meyer vertrat von 1971 bis 1996 als damals einziger Abgeordneter seiner Partei den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) im Landtag in Kiel. Von 1960 bis 1975 war er Vorsitzender der Partei der dänischen und friesischen Minderheit. Er verkörperte sie über Jahrzehnte wie kein anderer und nannte sich selbst einen „Dänen mit deutschen Pass“.

„Wir trauern mit unseren Landesvorsitzenden Flemming Meyer und seiner Familie um seinen Vater Karl Otto Meyer“, erklärten am Montag mit Fraktionschef Lars Harms und Justizministerin Anke Spoorendonk die derzeit bekanntesten SSW-Politiker. „Mit dem Tod von Karl Otto Meyer verliert der SSW die größte Persönlichkeit unserer Partei in der Nachkriegszeit.“ Er habe den SSW von Anfang an mit aufgebaut und in verschiedenen wichtigen Positionen geprägt. Die Partei bildet derzeit mit SPD und Grünen eine Koalitionsregierung.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte am Montag: "Karl Otto Meyer war viele Jahrzehnte lang das Gesicht der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Er hat der Gleichstellung der dänischen Minderheit den Weg geebnet und den Keim dafür gelegt, dass die Partei der Minderheit heute ganz selbstverständlich Teil einer Landes-regierung ist. In den 80er Jahren hat er sich als aufrechter Demokrat während der Barschel-Affäre und in den 1990ern als energischer Widersacher der Rechtsradikalen im Landtag große Verdienste um die demokratische Kultur in unserem Land erworben. Auch wenn Karl Otto Meyer zeitlebens eine offizielle Auszeichnung durch den Bund und das Land abgelehnt hat, ist Schleswig-Holstein ihm zu großem Dank verpflichtet."

Entscheider und Vielredner

Bundesweit berühmt wurde der über die Parteigrenzen als Respektsperson anerkannte Meyer 1987. Nach der vom Barschel/Pfeiffer-Skandal überschatteten und äußerst knapp ausgegangenen Landtagswahl weigerte er sich, einen neuen CDU-Ministerpräsidenten mitzuwählen. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Franz Josef Strauß wetterte, man dürfe ein Bundesland doch nicht von einem Dänen regieren lassen. Als Partei der dänischen Minderheit ist der SSW von der Fünf-Prozent-Sperrklausel befreit und deshalb ständig im Landtag vertreten, derzeit mit drei Abgeordneten.

Als die SPD von 1992 bis 1996 nur eine Mehrheit von einer Stimme im Landtag hatte, stand Meyer als Sicherheit bereit, falls der Regierungsfraktion mal eine Stimme fehlen sollte. Er brachte als SSW-Repräsentant eine neue Qualität in den Landtag ein, weil er sich nicht mehr ausschließlich mit Minderheitenangelegenheiten befasste, sondern zur gesamten Landespolitik Stellung bezog. Dabei war er durchaus streitbar. Zur EU hatte er eine kritisch-distanzierte Haltung. Als Einzelkämpfer des SSW im Landtag wurde Meyer zwangsläufig zum Vielredner zu diversen Themen.

Widerständler gegen den NS

Die Besonderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion prägten von Anfang an das Leben Meyers, der bei Flensburg geboren wurde. Schon als 13-Jähriger kritisierte er die Nazis. Die Gestapo verhörte ihn, mit 16 wurde er zum Kriegsdienst in die Wehrmacht eingezogen. Anfang 1945 floh Meyer nach Dänemark und schloss sich in den letzten Kriegswochen der Widerstandsbewegung gegen die deutschen Besatzer an.

Meyer hatte sich in Dänemark zum Lehrer ausbilden lassen. 1952 belegte ihn die Landesregierung in Kiel mit Berufsverbot, weil er sich öffentlich gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ausgesprochen hatte. Danach arbeitete er als Journalist, war auch Chefredakteur der Zeitung „Flensborg Avis“.

Es wehte auch der Danebrog

Als „Karl Otto“, wie er überall genannt wurde, 1996 aus dem Landtag ausschied, erfüllte ihm der damalige Parlamentspräsident Heinz-Werner Arens (SPD) einen Herzenswunsch und ließ zu seinen Ehren den Danebrog, die rot-weiße dänische Nationalfahne, über dem Landeshaus wehen. Aus dem Ruhestand verfolgte Meyer zwei Ereignisse ganz besonders interessiert. Zum einen trat der SSW nach der Landtagswahl 2012 erstmals in die Landesregierung ein. Seine Nachfolgerin im Landtag, Spoorendonk, wurde Justizministerin. Und auch die Familie verbuchte einen politischen Erfolg: 2009 wurde „Karl Ottos“ Sohn Flemming, seit 2005 schon Parteivorsitzender, in den Landtag gewählt.

Karl Otto Meyer habe entscheidend dazu beigetragen, dass der SSW nicht nur als Minderheitenpartei, sondern auch als vollgültige Partei anerkannt sei, die zu allen politischen Themen Stellung beziehe, erklärten Harms und Spoorendonk. In seiner Ära sei der Grundstein für die heutigen Wahlerfolge und die Regierungsteilnahme des SSW gelegt worden. „Karl Otto Meyer war über Jahrzehnte nicht nur das Aushängeschild des SSW, sondern auch der gesamten dänischen Minderheit.“ Er habe sich große Verdienste um die deutsch-dänischen Beziehungen erworben. Noch im vergangenen Jahr besuchte Meyer einen SSW-Parteitag in Husum.

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