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Politik SPD-Powerfrau mit türkischen Wurzeln
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15:49 03.09.2018
Die SPD-Politikerin und Landtagsabgeordnete Serpil Midyatli steht vor dem Landeshaus. Die Chancen für Serpil Midyatli, Ralf Stegner als SPD-Landeschef zu beerben, sind groß. Nach dem angekündigten Verzicht Stegners und dessen Unterstützung, blicken nun alle auf die 43-Jährige Kielerin mit türkischen Wurzeln. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Für Serpil Midyatli ist der Weg nun frei: Nach dem Verzicht von Ralf Stegner auf eine erneute Kandidatur als SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein kann die 43-jährige Powerfrau mit türkischen Wurzeln nun das neue Gesicht der Nord-SPD werden. Bereits am 25. August hatte sie ihre Kandidatur angekündigt. Midyatli gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration. Im Jahr 2000 trat sie in die SPD ein, seit 2009 ist sie Landtagsabgeordnete, inzwischen stellvertretende Fraktionschefin. Und sie ist seit 2015 stellvertretende Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes.

Temperament, Natürlichkeit, Humor, aber auch politische Leidenschaft werden der ersten türkischstämmigen Abgeordneten in der Geschichte Schleswig-Holsteins nachgesagt. "Frauen können mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft halten", sagte sie einmal. Denn neben ihren Rollen als Mutter und Politikerin hat sich die Muslimin auch als Unternehmerin verwirklicht.

Serpil Midyatli kommt 1975 als Kind türkischer Einwanderer in Kiel zur Welt. Sie wohnt seit 2013 mit ihrem Mann Atilla und den beiden Söhnen in Gettorf. Zur Schule ging sie in Kiel in Mettenhof und am Ravensberg. Von 1994 bis 2003 leitete Midyatli in Kiel ein Restaurant. 2004 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Kultur- und Veranstaltungsservice.

Migration, Integration, Familienpolitik

Als Politikerin konzentriert sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf die Themen Migration und Integration sowie Familienpolitik. "Warum gelingt es uns nicht, Menschen mit ausländischen Wurzeln zu integrieren, obwohl sie schon sehr lange hier leben?" kritisiert Midyatli.

Midyatli ist Fraktionssprecherin für Familienpolitik, Gleichstellung, Integration und Kinderbetreuung. Dem SPD-Landesvorstand gehört Midyatli seit zehn Jahren an. Seit Dezember 2017 ist sie außerdem Beisitzerin im Bundesvorstand der SPD.

Sie begründet ihre Kandidatur mit einer neuen Dynamik in der Partei, die sich nach den letzten Wahlen entwickelt habe: "Aktuell läuft ein äußert erfolgreicher Reformprozess, den wir im letzten November begonnen haben (...). Diesen Prozess möchte ich als SPD-Landesvorsitzende weiter vorantreiben." Die notwendigen Veränderungen würden aber nur nur als glaubwürdig wahrgenommen werden, wenn sich die Nord-SPD auch personell neu aufstelle.

SH ist ihr Zuhause

Schleswig-Holstein schätzt sie, "weil die Menschen hier bodenständig, ehrlich und aufrichtig sind". Mit 13 Jahren hatte Midyatli ein Schlüsselerlebnis für ihr Heimatempfinden. Als die Familie 1988 nach einem Besuch aus der Türkei zurückkehrte, die deutsche Grenze passierte, sich durch die verschiedenen Bundesländer von Bayern bis nach Niedersachsen durchkämpfte, hopsten alle wie verrückt im Auto, als sie endlich in Schleswig-Holstein, "unserem Zuhause", waren.

Von dpa

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