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Politik AfD-Aussteiger: „Destruktive Kräfte dominieren die Partei“
Nachrichten Politik AfD-Aussteiger: „Destruktive Kräfte dominieren die Partei“
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11:51 29.11.2018
Steffen Königer (AfD) im Landtag von Brandenburg. Der Politiker tritt aus der Partei aus. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Potsdam

Es ist die Abrechnung eines politisch Kaltgestellten: Steffen Königer, Beisitzer im AfD-Bundesvorstand, Mitglied der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg und Sprecher der Alternativen Mitte, lädt die Presse in ein Potsdamer Hotel. Um seinen Austritt aus Partei und Fraktion zu erklären –und mit einer Bewegung abzurechnen, die er „desktruktiv“ und „sektenartig“ nennt.

Das Fazit des 46-Jährigen: Aus dem "gärigen Haufen" (so hat auch Parteichef Alexander Gauland die AfD genannt) kann nie eine "konservative Volkspartei" werden. Grund seien vor allem die Radikalen um den Thüringer Landeschef Björn Höcke, dessen „PersonenkultKöniger scharf kritisiert. Engster Verbündeter Höckes ist Königers Brandenburger Landesvorsitzender Andreas Kalbitz.

Daher musste Königer davon ausgehen, nicht mehr für die Liste für die Brandenburger Landtagswahl am 1. September 2019 berücksichtigt zu werden. Vor zwei Wochen scheiterte er beim Versuch, für die Europaliste der AfD nominiert zu werden.

Gegen Kalbitz hatte sich Königer 2015 einen Kampf um den stellvertretenden Parteivorsitz geliefert. Königer verlor klar. Später übernahm Kalbitz dann den Landesvorsitz von Alexander Gauland, der in den Bundestag einzog.

Seit 2014 sitzt Königer im Landtag, ist dort unter anderem für Bildungsthemen zuständig. Im Wettstreit mit Kalbitz inszenierte sich Königer gerne als liberalen Gegenpol. Doch ein Linker ist Königer garantiert nicht, auch wenn er für die Freigabe von Cannabis ist und statt Wehrdienst Zivildienst in einer Potsdamer Kita gemacht hat. Der leidenschaftlicher Surfer und „Mister Brandenburg 1995“ schrieb einst für die neu-rechte „Junge Freiheit“ und demonstrierte gegen den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Im Landtag zog er gegen „Gender-Irrsinn“ zu Felde –und ist auf seine Rede erklärtermaßen immer noch stolz.

Er will nun als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag bleiben. Über seine Zukunft schweigt er. Der letzte Anlass für seinen Austritt aus der AfD war der Streit im Bundesvorstand am Montag über radikale Tendenzen in der „Jungen Alternative“ (JA). Königer hatte sich dafür ausgesprochen, der JA ihren Status als offizielle Organisation abzuerkennen und neu zu gründen.

„Alle in einen Sack stecken und draufhauen“

Danach hatte Königer mit markigen Worten gegen die Radikalen in der JA Stellung bezogen: „Alle in einen Sack stecken und draufhauen, man trifft immer einen Richtigen.“ Kalbitz hatte seinen JA-Landesverband hingegen vehement verteidigt. Höcke hatte sich sogar hinter die gesamte JA gestellt.

„Innerhalb der Partei nimmt die Begeisterung über bewusste Grenzübertritte von wenigen Protagonisten nicht ab“, sagte Königer. „Viele Mandatsträger legen es darauf an, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden.“ Als es im Frühjahr darum ging, ob die Bundespartei ein erneutes Ausschlussverfahren gegen Höcke anstrengt, hatte sich Königer noch enthalten. „Im Nachhinein habe ich das bitter bereut“, sagt er.

Zum Austritt Königers sagte Kalbitz dem RND: „Es geht ihm nicht um Inhalte, sondern um die Angst vor dem Machtverlust. Ich wäre nicht überrascht, wenn Herr Königer versucht, sich auf der Suche nach einem Versorgungsposten an die CDU oder die Freien Wähler zu verkaufen.“

Der Bundesvorstand will nächste Woche erneut über den Umgang mit der JA beraten – dann ohne Königer. Bis dann soll auch ein Lagebild der „Arbeitsgruppe Verfassungsschutz“ zum Umfang der radikalen Kräfte in der JA vorliegen.

Lesen Sie auch: „Wir erleben eine neue AfD in Deutschland

Von RND/ngo/jps

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