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Politik Streit um das neue Schulgesetz
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07:00 07.08.2013
Von Heike Stüben
In der Kritik: Ministerin Waltraud Wende. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Beim Verband Bildung und Erziehung wittert man ideologische Gründe hinter der Änderung. „Die Begriffe Erziehung und Bildung zu streichen heißt, sie in den Schulen nicht mehr ernst zu nehmen. Will sich das Land von Investitionen in den erzieherischen Bereich der Schulen verabschieden?“, fragt der Landesvorsitzende Rüdiger Gummert. Dass der „Bildungs- und Erziehungsauftrag“ der Schule dem „pädagogischen Auftrag“ weichen soll, hält auch Jens Finger vom Philologenverband für inakzeptabel. „Das Begriffspaar hat sich bewährt und ist rechtlich deutlich formuliert. Wenn Schule einen Bildungs- und Erziehungsauftrag hat, muss das auch explizit im Schulgesetz stehen.“

 Im Ministerium hingegen betont man, die Änderung seien allein dem zeitgemäßen Sprachgebrauch geschuldet. Eine inhaltliche Veränderung des Auftrages von Schule sei damit nicht verbunden, sagt Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Bernd Schauer von der Lehrergewerkschaft GEW kann allerdings nicht erkennen, dass Begriffe wie Bildung und Erziehung nicht mehr zeitgemäß sein sollen. Auch die GEW lehnt deshalb die Änderung ab und fordert stattdessen, den Schulauftrag zeitgemäß als Bildung, Erziehung und Betreuung zu definieren. Auch die Landeselternbeiräte von Gymnasien, Grundschulen und Förderschulen fordern eine Rücknahme der Umbenennung. „Der Begriff Pädagogik ist zu unscharf, zu unklar“, begründet Thomas Hillemann, Vorsitzender des Landeselternbeirats Gymnasien. Ein Argument, das auch CDU und FDP ins Feld führen.

 Schule habe wichtigere Probleme als den Streit um Begrifflichkeiten, meint hingegen Stefan Hirt, Landeselternbeiratsvorsitzender der Gemeinschaftsschulen. Auch die Regierungsparteien SPD und Grüne halten die ganze Aufregung für übertrieben und Wortklauberei. „Das ist eine Frage der Semantik, aber nicht von Inhalt und Qualität von Schule“, sagt Martin Habersaat, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

 An Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) prallt der Protest dennoch nicht ab. Sie selbst wollte sich gestern nicht äußern. Ihr Sprecher versicherte jedoch, dass die Kritik berücksichtigt werde, wenn das Kabinett Anfang September den Gesetzentwurf berät. Wie das konkret aussieht, konnte er noch nicht sagen. Nach Informationen dieser Zeitung ist eine Rücknahme der Umbenennung aber nicht geplant. Seite 13, Kommentar Seite 2

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