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Politik Tödliche Schüsse nach Wahlsieg der Separatisten in Québec
Nachrichten Politik Tödliche Schüsse nach Wahlsieg der Separatisten in Québec
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14:16 05.09.2012
Pauline Marois feierte gerade ihren Wahlsieg, als Schüsse fielen. Quelle: David Boily

Während der Dankesrede von Spitzenkandidatin Pauline Marois (63) in einer Konzerthalle in Montréal erschoss ein Mann einen der Anwesenden, wie die Polizei am späten Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte. Ein zweiter Mensch wurde durch Schüsse schwer verletzt. Der etwa 50 Jahre alte Täter legte zudem am Hintereingang Feuer, ehe er draußen gefasst werden konnte. "Die Englischsprachigen erwachen!", schrie er bei seiner Festnahme in schlechtem Französisch. Das Motiv ist unklar.

Marois, die voraussichtlich die erste Premierministerin in der Geschichte der Provinz wird, blieb unverletzt. Ihre Leibwächter zogen sie von der Bühne. "Wir wollen ein eigenes Land und werden es auch bekommen", hatte sie kurz zuvor gesagt. Später trat sie erneut ans Mikrofon und bat ihre Anhänger, das Gebäude zu verlassen. "Ich würde lügen, wenn ich zu 100 Prozent behauptete, dass sie und die anderen Menschen drinnen nicht in Gefahr waren", sagte ein Polizeioffizier. Der Schuss sei jedoch im hinteren Teil des Gebäudes gefallen. Der TV-Sender CBC berichtete hingegen, dass die Hintertür, durch die der Schütze gekommen sei, etwa sechs Meter von der Rednertribune entfernt war.

Ob es für die Tat einen politischen Hintergrund gab, ist bislang nicht bekannt. "Wir wissen nicht, was dahinter steckt", sagte der Polizeioffizier. Zunächst gehe es um ein Tötungsdelikt. Noch sei der Täter nicht befragt worden. Laut CBC trug er eine Sturmmaske und hatte anscheinend ein Sturmgewehr bei sich. Einen politisch motivierten Mord hatte es in Québec zuletzt vor 42 Jahren gegeben: 1970 wurde Arbeitsminister Pierre Laporte von einer radikalen Separatistengruppe getötet.

Marois' separatistische Parti Québécois (PQ) tritt für die weitgehende Unabhängigkeit Québecs vom übrigen, englischsprachigen Kanada ein. Bei der Wahl am Dienstag war sie mit 54 Sitzen zur stärksten Kraft aufgestiegen, verpasste aber die absolute Mehrheit im Parlament in der Hauptstadt Québec um neun Mandate. Marois will nun eine Minderheitsregierung bilden. Auf Platz zwei kamen nach Angaben der Wahlkommission die bisher regierenden Liberalen mit 50 Sitzen. An dritter Stelle folgte mit 19 Sitzen die konservative Koalition für Québecs Zukunft.

In Québec leben etwa acht Millionen Menschen, von denen knapp sechs Millionen wahlberechtigt waren. Die meisten sprechen Französisch. Es ist die einzige der zehn Provinzen, in der nicht English die Hauptsprache ist. Québec ist fast dreimal so groß wie Frankreich. Nach jüngsten Umfragen treten nur 28 Prozent der Bevölkerung für eine Abspaltung von Kanada ein.

dpa

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