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Politik Berliner als Gesprächspartner wieder gefragt
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07:49 04.10.2018
Das Weiße Haus in Washington, Wohnhaus und Regierungssitz des US-Präsidenten. Quelle: dpa
Washington

Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist noch längst nicht aus dem Gröbsten heraus. Der Streit um hohe Strafzölle auf Autos ist zwar vertagt, aber niemand vermag zu sagen, ob der US-Präsident Donald Trump nach den Zwischenwahlen am 6. November wieder die Eskalation mit Europa sucht.

Umso erstaunlicher erscheinen die jüngsten Begegnungen im Weißen Haus: So erhielt Jens Spahn am Montag eine Einladung in die Regierungszentrale, obwohl sich der Gesundheitsminister eigentlich nur bei einigen Senatoren und Abgeordneten im Kongress angemeldet hatte. Der CDU-Politiker, der in Washington weitaus besser vernetzt ist als die Mehrzahl seiner Abgeordnetenkollegen, plauderte eine halbe Stunde mit dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, obwohl es auf den ersten Blick nur wenig Schnittmengen in ihren Arbeitsfeldern gibt. Über den Zustand der deutsch-amerikanischen Partnerschaft zeigte er sich zuversichtlich: „Wir sollten mehr Felder im transatlantischen Verhältnis suchen, auf denen wir kooperieren können.“ Ohnehin seien die Verbindungen zwischen den beiden Staaten größer als die Frage, was getwittert wird.

Spahn-Freund öffnete Türen des Weißen Hauses

Wie es heißt, soll Richard Grenell, US-Botschafter in Berlin und ein persönlicher Freund Spahns, im Hintergrund die Fäden gezogen haben, um dem 38-Jährigen die Türen ins Weiße Haus zu öffnen.

Der freundliche Ton beschränkt sich zurzeit aber nicht nur auf Minister, die ohnehin als Transatlantiker bekannt sind. Auch Heiko Maas erlebte am Mittwoch ein neues Bemühen um die alten Kontakte. Im August hatte der Außenminister noch davon gesprochen, dass Deutschland im Zweifelsfall ein Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten aufbauen müsste, sollte beispielsweise der Handelskonflikt eskalieren. Doch von diesen scharfen Tönen war am Mittwoch kaum etwas zu hören: „Für uns Deutsche ist und bleibt Amerika der engste Partner außerhalb Europas“, betonte Maas gleich mehrfach.

Ohne allzu lange auf strittigen Punkten wie den Bau der Nordstream-2-Pipeline herumzureiten, bemühten sich sowohl Bolton als auch Maas‘ Kollege Mike Pompeo um ein neues Miteinander. Obwohl sich im Umgang mit dem iranischen Atomabkommen weiterhin keine Annäherung andeutet, sind Berlin und Washington allem Anschein nach auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung.

Maas eröffnet das Deutschlandjahr in den USA

Es passt ins Bild, dass Maas keine schweren Themen im Gepäck hatte. Der Außenminister wollte in erster Linie nur das Deutschlandjahr in den USA eröffnen, das von seinem Vorgänger Sigmar Gabriel und dem damaligen US-Außenminister Rex Tillerson vereinbart worden war. Mit mehr als 1000 Veranstaltungen in ganz Amerika sollen unter dem Motto „Wunderbar together“ die Verbindungen zwischen beiden Ländern jenseits der Regierungspolitik gestärkt werden.

Dass dieses Bemühen auf offene Ohren in Washington stößt, war auch am Mittwochabend zu beobachten: Zu der Feier zum dritten Oktober in der Deutschen Botschaft in Washington kam auch Wilbur Ross. Auf die Frage, wie es denn nun um die drohenden Strafzölle auf europäische Autos bestellt sei, wollte der amerikanische Handelsminister jedoch nicht antworten.

Von Stefan Koch/RND

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