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Politik Trumps Einführung: Über 200.000 Demonstranten erwartet
Nachrichten Politik Trumps Einführung: Über 200.000 Demonstranten erwartet
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15:50 19.01.2017
Proteste wie hier am Kapitol in Washington werden auch für das Inaugurations-Wochenende erwartet. Quelle: dpa
Hannover/Washington

Zig Unterstützer, zahlreiche Gegendemonstranten und ein massives Sicherheitsaufgebot: Ruhig wird es in Washington rund um die Amtseinführung von Donald Trump als 45. US-Präsident nicht zugehen. Während sich knapp 800.000 Unterstützer des 71-Jährigen angekündigt haben, planen rund 30 Gruppen Proteste. Auch in anderen Teilen des Landes wollen Bürger und Institutionen ein Zeichen gegen den Einzug des Milliardärs ins Weiße Haus setzen.

Massenmärsche und Kifferprotest

Die wohl größte Demonstration findet allerdings erst am Tag nach der Amtseinführung statt. Zum „Women’s March On Washington haben sich bereits über 200 000 Teilnehmer angekündigt. Nach einer Auftaktkundgebung nahe des Kapitols ziehen die Demonstranten durch die Hauptstadt. Auch prominente Unterstützung hat sich bereits angekündigt: So wollen sich die Schauspielerinnen Scarlett Johansson, Amy Schumer und Julianne Moore dem Marsch anschließen. Neben Frauenrechten sollen bei der Veranstaltung auch Polizeigewalt und Rassismus, Waffengesetze, Abtreibung, sowie LGBT- und Bürgerrechte Themen sein.

Ein weiterer Protestmarsch unter dem Motto „#J20 Resist!“ soll von der Union Station in Richtung des Weißen Hauses ziehen. „Schließt euch dem Widerstand gegen den rassistischen, sexistischen Milliardär Präsident Trump an“, fordern die Organisatoren auf der entsprechenden Facebook-Seite. Die Veranstaltung richtet sich nicht nur gegen Trump, sondern auch gegen seine Wahlkampf-Konkurrentin Hillary Clinton, Kapitalismus, Krieg und das amerikanische Zwei-Parteien-System. Ob die Veranstaltung friedlich bleibt, muss sich indes noch zeigen: Man wolle Washington „lahmlegen“, heißt es von Seiten der Organisatoren auf Facebook.

Kurios ist dagegen der Protestansatz der Gruppe „Washingstonians“. Die Marihuana-Freunde treten für eine bundesweite Legalisierung von Cannabis ein – und wollen ihrer Forderung mit Massenkiffen Nachdruck verleihen. Sobald Trump eine Redezeit von 4 Minuten und 20 Sekunden überschreitet, sollen 4200 Joints glühen.

Zum Schutz: Rocker ziehen “eine Mauer aus Fleisch“ um Trump

Die große Zahl an Demonstrationen ruft auch ein verschärftes Sicherheitsaufgebot hervor. Rund 3200 Polizisten, 8000 Nationalgardisten, 5000 Soldaten und zahlreiche Beamte der Bundespolizei FBI werden rund um die Veranstaltungen im Einsatz sein. Die Kosten für das Sicherheitsaufgebot werden auf mehr als 100 Millionen Dollar taxiert.

Unterstützung für Trump kommt unter anderem von der Motorrad-Gruppe „Bikers For Trump. Die Rocker wollen den künftigen Präsidenten ergänzend zu den eingesetzten Beamten vor möglicherweise gewaltbereiten Protesten schützen. „Für den Fall, dass wir gebraucht werden, werden wir eine Mauer aus Fleisch formen, um der Polizei zu helfen“, so Gründer Chris Cox auf Facebook.

Trumps Amtseinführung dürfte damit die wohl größten Proteste seit der zweiten Inauguration Richard Nixons 1973 hervorrufen. Damals machten knapp 100.000 Menschen auf Washingtons Straßen ihrem Unmut über die Vietnamkriegspolitik des Republikaners Luft.

Kulturschaffende protestieren landesweit

Protest wird auch von zahlreichen Kulturschaffenden und -einrichtungen im Rest des Landes erwartet. So planen mehr als 500 Institutionen bereits am Donnerstagabend am sogenannten „Gaslight Project“ teilzunehmen. Am Times Square in New York und vor den Theatern sollen Kerzen entzündet werden, um so für Integration und Teilhabe unabhängig von Herkunft, Rasse oder sexueller Orientierung zu demonstrieren. Am Freitagnachmittag steigt im New Yorker Theaterdistrikt dann ein „Concert 4 America.

Einen anderen Weg gehen indes einige Museen in den vereinigten Staaten. Mit freiem Eintritt und speziellen Veranstaltungen wollen sie ein Kontrastprogramm zu Trumps Vereidigung bieten. In New York überlassen etwa das Whitney Museum, das New Museum und das Museum of Arts and Design den Besuchern, wie viel Eintritt sie zahlen wollen. Auch das Museum of Contemporary Art in Los Angeles, das Institute of Contemporary Art in Boston und das Walker Art Center in Minneapolis planen, den Eintritt zu erlassen oder nach Ermessen festzulegen.

Angesichts der Vielfalt der Aktionen hoffen die Organisatoren, dass aus den Veranstaltungen eine langlebige Bewegung entsteht.

Von RND/Bastian Fischer (mit dpa)

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