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Politik Türkische Regierung droht mit Entführungen geflohener Offiziere
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14:52 05.06.2018
Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht weltweit Jagd auf Anhänger seines Erzfeindes Fethullah Gülen, den er hinter dem Putschversuch vermutet. Quelle: imago/Depo Photos
Ankara/Athen

Sie sind frei und doch gefangen. Dutzende Polizisten schützen sie, aber sie fürchten um ihr Leben: Acht türkische Offiziere, die während des Putschversuchs vom Juli 2016 nach Griechenland flohen. Das Oberste griechische Gericht hat ihre Auslieferung an die Türkei untersagt. Jetzt kündigt der türkische Regierungssprecher die Entführung der Acht aus Griechenland an.

Am 16. Juli 2016, dem Tag nach der Putschnacht in der Türkei, landete ein Black Hawk-Hubschrauber der türkischen Armee auf einem Feld beim nordgriechischen Alexandroupolis. An Bord waren acht Offiziere. Sie beantragten in Griechenland Asyl. Damit begann eine Affäre, die zu wachsenden Spannungen zwischen Ankara und Athen führt.

Die Richter befürchten Folter-Maßnahmen

Die Türkei fordert die Auslieferung der Offiziere. Sie seien an dem Putschversuch beteiligt gewesen, sagt die Regierung. Die Soldaten bestreiten das. Anfang 2017 entschied der Areopag, Griechenlands Oberster Gerichtshof, dass die Männer nicht an die Türkei ausgeliefert werden dürfen. Dort erwarte sie kein faires Verfahren, vielmehr drohe ihnen Misshandlung und Folter, so die Richter.

Während der Asylverfahren befanden sich die acht Offiziere zunächst in Untersuchungshaft. Weil deren maximale Dauer inzwischen abgelaufen ist, wurden vier Soldaten Anfang Mai und die anderen vier vergangene Woche entlassen. Sie halten sich an einem unbekannten Ort auf, bewacht rund um die Uhr von Dutzenden Polizisten, die für ihre Sicherheit sorgen sollen. Die griechischen Behörden fürchten, der türkische Geheimdienst könnte versuchen, die acht angeblichen Putsch-Offiziere zu entführen.

Die Jagd findet weltweit statt

Wie berechtigt diese Sorge ist, bestätigte jetzt der türkische Vizepremier und Regierungssprecher Bekir Bozdag. „Wir werden sie aufspüren, wird werden sie einpacken, zurück in die Türkei bringen und der Justiz übergeben“ kündigte Bozdag am Montag in Ankara an. Das ist keine leere Drohung.

Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht weltweit Jagd auf Anhänger seines Erzfeindes Fethullah Gülen, den er hinter dem Putschversuch vermutet. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation (Fetö). Bereits Anfang April hatte Bozdag in einem Fernsehinterview bestätigt, der türkische Geheimdienst MIT habe bisher 80 Fetö-Anhänger in 18 Ländern „eingepackt und in die Türkei gebracht“. Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias kommentierte: „Einige türkische Politiker können das Konzept des Rechtsstaates nicht verstehen.“

Die Offiziere könnten weitereisen

Am 23. Mai entschied das oberste griechische Verwaltungsgericht in letzter Instanz, einem der acht Offiziere Asyl zu gewähren. Über die anderen sieben Fälle soll in Kürze entschieden werden. Bekommen auch sie Asyl, was wahrscheinlich ist, wollen sie aus Griechenland in ein anderes europäisches Land weiterreisen. Die griechische Regierung wäre das Problem damit erst einmal los. Aber der Schatten Erdogans wird den acht Offizieren folgen. „Wir werden sie finden, egal wohin sie gehen“, kündigte Regierungssprecher Bozdag an.

Von Gerd Höhler/RND

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