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Politik Was AfD-Gründer Bernd Lucke heute über seine frühere Partei denkt
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18:53 15.04.2019
Der frühere AfD-Politiker Bernd Lucke stellt in Berlin sein Buch „Systemausfall“ vor. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Drei Kameras laufen, und Dutzende Journalisten hören zu, wie Bernd Lucke am Montagmorgen in Berlin sein neues Buch vorstellt. Das Medienaufkommen erinnert fast an die Blütezeit von Lucke, als der Ökonomieprofessor eine Alternative bot zur von Angela Merkel geführten „alternativlosen“ Euro-Rettung – und damit ins Europäische Parlament gewählt wurde.

Diesmal will Lucke nun eine Alternative zur Alternative bieten. Sein neues Buch „Systemausfall“ sei ein Parteiprogramm für die Europawahlen, vor allem aber „eine Kampfansage an die AfD“, sagt er bei der Buchvorstellung. Lucke greift die Partei an, die er 2013 in der Eurokrise gründete, jetzt aber „nur noch im Namen“ dieselbe sei.

„Ich hätte die AfD nie gegründet, wenn ich gewusst hätte, dass sie sich so entwickeln würde“, sagt er in Berlin. Hauptschuldiger für diese Entwicklung ist laut Lucke Götz Kubitschek – oder „der Voldemort der AfD“ - wie ein Kapitel des Buches heißt. Lucke wirft dem rechten Verleger und Publizisten Kubitschek vor, große Teile der Partei mit rechtsradikalen Gedanken zu prägen. „Dieser völkische Flügel versucht gezielt, die offene Gesellschaft zu untergraben.“

Lucke will AfD-Wähler zurücklocken

Bei den Europawahlen will Lucke die AfD-Wähler mit seiner Partei der „Liberal-Konservativen Reformer“ (LKR) zurücklocken. Seine Kampfmittel: „konstruktive EU-Kritik“. Die EU sei immer noch „eine sehr gute Idee“, nur schlecht umgesetzt. Mit dieser nuancierten Botschaft hat Lucke allerdings seit seinem Austritt aus der Partei 2015 keinen Wahlerfolg mehr feiern können: Bei Landtagswahlen erhielt die LKR nie mehr als ein Prozent der Stimmen. Hatte die Partei einmal Tausende Mitglieder, die Lucke von der AfD gefolgt waren, seien es jetzt nur noch „knapp 1000“. Das Kontrast ist groß: die AfD ist seit seinem Abschied in allen deutschen Landtagen vertreten und wurde im Bundestag sogar die größte Oppositionspartei.

Trotz des fehlenden Wahlerfolgs sieht Lucke einen Lichtblick darin, dass die Union und die FDP Teile seiner EU-Kritik übernommen haben und gemeinsame europäische Verschuldung heute kritischer sehen. „Innerhalb diesen Parteien sind kritischere Töne zur EU zu vernehmen, zum Beispiel zum Thema Transferunion“, so Lucke. So lobt denn auch der CDU-Prominente Wolfgang Bosbach auf der Rückseite das Buch den „Fachmann“ Lucke. Allerdings schließt der Ökonom eine Rückkehr in die Union, wo er bis 2012 für 33 Jahre lang Mitglied war, aus. „Die CDU ist ein schwerfälliger Tanker und ändert ihren Kurs nur sehr langsam“, erklärt Lucke.

Hoffnung bei Europawahl: „3 bis 5 Prozent“

Lieber würde Lucke auch nach den Europawahlen Ende Mai im Europaparlament vertreten bleiben. Der Spitzenkandidat wagt es am Montag sogar, auf 3 bis 5 Prozent der Stimmen zu hoffen. Sollte es ihm nicht gelingen, erneut ein Mandat zu erringen, will er seinen Ausflug in die Politik beenden – und als Professor für Volkswirtschaft an die Universität Hamburg zurückkehren.

Von Ties Brock/RND

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