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Politik Was man über das schwarz-rote Rentenpaket wissen muss
Nachrichten Politik Was man über das schwarz-rote Rentenpaket wissen muss
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19:00 12.10.2018
Der Bundestag hat erstmals über die schwarz-roten Rentenpläne beraten. Quelle: dpa
Berlin

Die Bundesbürger sollen auf Jahre hinweg vor nicht auskömmlichen Renten bewahrt werden. Änderungen in der Rente sind in vier großen Bereichen geplant. Die zusätzlichen Kosten des Rentenpakets werden sich bis 2025 auf rund 30 Milliarden Euro belaufen. Ein Überblick:

Was ist im Einzelnen geplant?

Das Paket sieht eine „doppelte Haltelinie“ vor: So wird das gesetzliche Rentenniveau – das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Bruttolohn – bis 2025 eingefroren, bei 48 Prozent. Zugleich wird für den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung eine Obergrenze von 20 Prozent eingeführt. Derzeit liegt er bei 18,6 Prozent. 2020 wird er nach derzeitiger Prognose die 20-Prozent-Marke erreichen.

Was ändert sich bei der Mütterrente?

Für Elternteile, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben, gibt es mehr Rente. Sie erhalten ab 2019 bei der Rente künftig ein halbes Erziehungsjahr pro Kind zusätzlich angerechnet. Pro Kind wäre das eine Rentenerhöhung um aktuell etwa 16,02 Euro im Westen und rund 15,35 Euro im Osten. Wer ab Januar 2019 in Rente geht, erhält sofort mehr Geld, wer bereits Rente bezieht, erst ab Juli. Für die erste Jahreshälfte gibt es dann aber eine Nachzahlung.

Gibt es Änderungen bei der Erwerbsminderungsrente?

Krankheitsbedingte Frührentner profitieren auch von den GroKo-Plänen – allerdings nur jene, die ab kommendem Jahr neu in Rente gehen. Dafür wird die so genannte Zurechnungszeit analog zur steigenden Regelaltersgrenze verlängert. Ihre Bezüge werden künftig so berechnet, als hätten sie bis zum aktuellen Rentenalter weitergearbeitet. Diejenigen, die bereits jetzt eine Erwerbsminderungsrente beziehen, gehen jedoch leer aus.

Profitieren auch Geringverdiener von den GroKo-Plänen?

Wer nur ein geringes Einkommen hat, muss künftig weniger Sozialabgaben zahlen. Dies gilt bis zu einer Grenze 1300 Euro brutto im Monat. Ein Arbeitnehmer mit 850 Euro monatlich hat künftig pro Jahr 270 Euro mehr im Portemonnaie.

Wie teuer ist das Rentenpaket?

Laut Bundesarbeitsministerium summieren sich die zusätzlichen Kosten bis 2025 auf rund 30 Milliarden Euro bis 2025. Die Ausweitung der Mütterrente sorgt für jährliche Mehrausgaben der Rentenversicherung von circa 3,7 Milliarden Euro. Zunächst wird dafür die Rücklage der Rentenkasse Schritt für Schritt abgeschmolzen. Künftig soll aber deutlich mehr Geld aus Steuermitteln für die Alterssicherung ausgegeben werden – unter anderem über einen Fonds, der ab 2021 jährlich mit zwei Milliarden Euro aus dem Bundesetat bestückt werden soll.

Hat der steigende Beitrag für die Pflege Auswirkungen auf die Rentenkasse?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den Beitragssatz zur Pflegeversicherung 2019 um 0,5 Prozentpunkte anheben. Dies führt rechnerisch zu einer Dämpfung des Rentenniveaus. Folge: Der Beitragssatz zur Rentenversicherung wird schneller als bisher geplant steigen müssen. Und: Im kommenden Jahrzehnt wird die Rentenkasse zusätzliche Milliarden aus dem Bundeshaushalt benötigen.

Plant die GroKo weitere Rentenreformen?

Im kommenden Jahr wollen Union und SPD ein zweites Rentenpaket auf den Weg bringen. Geplant ist unter anderem, dass Selbstständige, die nicht über ein Versorgungswerk abgesichert sind, Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen sollen. Außerdem soll ein Solidarrente eingeführt werden, damit langjährige Geringverdiener im Alter mehr haben als jemand, der die nie gearbeitet hat. Die von der Bundesregierung eingesetzt Rentenkommission berät zurzeit über notwendige Reformen für die Zeit nach 2025. Sie soll bis zum Frühjahr 2020 Ergebnisse vorlegen, die womöglich noch von der GroKo umgesetzt werden könnten.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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