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20:21 21.11.2018
Die deutsche und die kubanische Flagge, zahlreiche Blumen und Kerzen wurden an der Stelle in Chemnitz niedergelegt an der ein junger Mann erstochen wurde. Quelle: Jan Woitas/dpa
Chemnitz

Die tödliche Messerattacke am Rande des Chemnitzer Stadtfestes beschäftigt nach wie vor die Staatsanwaltschaft in Chemnitz. Die Ermittlungen zu der Tat, die zahlreiche Ausschreitungen zur Folge hatte, sollen spätestens im Januar abgeschlossen werden. Nach wie vor wirft der Fall zahlreiche Fragen auf, viele Sachverhalte sind noch nicht aufgeklärt. Was ist bekannt und was offen? Ein Überblick:

Das ist über die Vorfälle in Chemnitz bekannt

Für den gewaltsamen Tod eines 35 Jahre alten Chemnitzers Ende August sollen Asylbewerber aus Syrien und dem Irak verantwortlich sein.

Der Tod des 35-Jährigen war Auslöser für Demonstrationen und Straftaten in Chemnitz, die sich auch gegen Migranten und ausländische Restaurants richteten. Bei Kundgebungen liefen zahlreiche Rechtsextreme mit. Chemnitz geriet dadurch international in die Schlagzeilen. Die Stadt verwahrte sich dagegen, für Umtriebe von Neonazis unter Generalverdacht gestellt zu werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach der tödlichen Messerattacke wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung. Bei der Gewalttat waren noch zwei weitere Männer verletzt worden. Nach Angaben von Burghart wird auch jener vermutlich aus dem Irak stammende Mann als Beschuldigter geführt, der die Untersuchungshaft inzwischen verlassen konnte.

Nach Angaben der Bundesregierung wurden zwischen dem 26. August - dem Tag der tödlichen Messerattacke - und dem 11. Oktober in Chemnitz nach vorläufigen Zahlen 112 Straftaten Rechter registriert. Dazu zählen unter anderem Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Zudem wird wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.

Nach den Ereignissen in Chemnitz spielte ein Video eine wichtige Rolle. Zu sehen ist eine Gruppe, die so aggressiv auf einen jungen Mann in Jeans zugeht, dass dieser wegrennt, dazu sind Parolen wie „Haut ab“, „Kanaken“ und „nicht willkommen“ zu hören. In der Folge wurde bundesweit diskutiert, ob es „Hetzjagden“ rechter Demonstranten gegen Migranten in Chemnitz gab. Der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bezweifelte dies. Später musste er seinen Hut nehmen.

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Hier tappen die Ermittler noch im Dunkeln

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Chemnitz ist nach wie vor unklar, wer die Anschläge auf Restaurants verübt hat. Betroffen waren die jüdische Gaststätte Schalom sowie ein persisches und ein türkisches Restaurant. Auf letzteres wurde ein Brandanschlag verübt. Deshalb wird auch wegen versuchten Mordes ermittelt.

Ob die Zahl der Straftaten durch Rechtsextreme in Chemnitz noch steigen wird, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. „Die Verfahren sind längst noch nicht alle bei der Polizei abgeschlossen“, sagte Oberstaatsanwältin Burghart.

Unklar ist, was sich vor den Szenen auf den Videoaufnahmen abspielte, die später als Beweis von „Hetzjagden“ in Chemnitz deklariert wurden. Nun ist in einem Beitrag des Onlinemagazins „Tichys Einblick“ die Behauptung aufgestellt worden, dass Migranten Teilnehmer der Demo provoziert und angepöbelt hätten. Der Autor des Beitrags zitiert nach eigenen Angaben die Verfasserin des Videos und deren Ehemann, die allerdings anonym bleiben wollten. „Natürlich gehen wir jeglichen Hinweisen nach und tätigen die notwendigen Ermittlungen. Es gehört zur polizeilichen Arbeit, stets in alle Richtungen zu ermitteln“, sagte Tom Bernhardt, Sprecher des Landeskriminalamtes Sachsen. Konkreter wollte er bei der Frage zu dem Video nicht werden.

Nach einem dritten Tatverdächtigen im Fall der Messerattacke wird nach wie vor international gefahndet. „Wenn er bis Dezember nicht gefunden wird, trennen wir das Verfahren ab“, sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart. Das wird im Allgemeinen gemacht, damit das Strafverfahren nicht weiter verzögert wird. Derzeit gebe es keine Hinweise auf seinen Aufenthaltsort, sagte die Oberstaatsanwältin.

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Von RND/dpa/lf

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