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Politik Windkraft-Gegner klagen über Schummelei
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07:00 05.10.2018
Wie viel Lärm geht von Windrädern aus? Der Verein „Gegenwind“ und das Land Schleswig-Holstein machen unterschiedliche Angaben. Quelle: Julian Stratenschulte
Kiel

Während die Bundesregierung den Energieunternehmen gerade den Rücken stärkt und Sonderausschreibungen für deutschlandweit etwa 1380 zusätzliche Windräder auf den Weg bringen will, hat der Verein „Gegenwind“ seinen Kampf gegen einen weiteren Ausbau verstärkt.

Die Vorsitzende Susanne Kirchhof warf der Landesregierung gestern „Taschenspielertricks“ beim Schallschutz vor – und drohte mit Klagen. Die Jamaika-Koalition präsentiere den Bürgern „alternative Fakten“. Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) wies die Anschuldigungen umgehend zurück.

Susanne Kirchhof: Anlagen machen Lärm

Im Kern geht es darum, dass das Umweltministerium pauschal drei Dezibel abzieht, wenn es darum geht, den Lärm von Windrädern zu messen. Grundlage dafür ist die sogenannte Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm), eine allgemeine Verwaltungsvorschrift für ganz Deutschland. Zu berücksichtigen sind demnach auch Pfeifen und Rauschen, das der Wind verursacht, sowie meteorologische Schwankungen der Schallausbreitung.

Susanne Kirchhof hält das für unzulässig. „Drei Dezibel bedeuten eine Verdopplung der Schallintensität“, betonte sie. Das Umweltministerium lasse zudem bei großen Windparks zur Berechnung der zulässigen Maximalwerte am Wohnhaus die weiter entfernt stehenden Anlagen einfach weg. „Aber auch die machen Lärm.“

Flächen für Windräder in Schleswig-Holstein - interaktive Karte

Vorwurf: Überschreitung des Richtwerts um 6 Dezibel

In Einzelfällen komme es faktisch zur Überschreitung des Richtwertes um sechs Dezibel. Und: Die Landesregierung behaupte, dass Lärm die Gesundheit erst ab 60 Dezibel gefährde. Dabei schreibe die TA Lärm nachts die Einhaltung von maximal 45 vor.

Minister Albrecht ließ die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen. „Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität.“ Zugleich verwies er darauf, dass sich das Land ein Überwachungskonzept auferlegt habe, mit dem man seit diesem Sommer den Lärmschutz der 3000 bestehenden Anlagen überprüfe. Einen ersten Bericht erwarte er im Frühjahr. Nach bisherigen Erkenntnissen schließe er eine Lärmgefährdung aus.

Von Christian Hiersemenzel und Frank-Thomas Wenzel

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