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Politik Wir sind mehr: So geht es nach dem Konzert in Chemnitz weiter
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12:13 04.09.2018
Zu dem Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Chemnitz sind 65.000 Menschen gekommen. Die Veranstalter hatten ursprünglich mit 20.000 Besuchern gerechnet. Quelle: epd-bild/Wolfgang Schmidt
Chemnitz

Nach einem umjubelten Konzert gegen Rassismus vor 65.000 Zuschauern steht für Chemnitz und Sachsen wieder der Alltag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt an.

Landes-Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) will am Dienstag eine Streitschrift vorlegen, in der sie eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit fordert. Köpping sieht in unbewältigten Ungerechtigkeiten und Lebensbrüchen nach der Wende eine der Ursachen für die Wut und Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher.

Das Mini-Festival #wirsindmehr demonstriert gegen Rassismus in Chemnitz und 65.000 machen mit. Das sind die Bilder des Open-Air-Konzerts mit Kraftklub, den Toten Hosen, Marteria, Casper, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z. und Trettmann.

Politik will Krawall in Chemnitz aufarbeiten

Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, in Kürze wieder zur Tagesordnung überzugehen. „Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt“, sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung „Unter den Linden“.

Der sächsische Landtag will Hintergründe und Folgen der Vorfälle aufarbeiten, die seit dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen bundesweit für Erschrecken sorgen. Dazu hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für Mittwoch eine Regierungserklärung angekündigt.

Neue Demonstration unter dem Motto #wirsindmehr in Marburg

Die Stadt Marburg lädt am Freitag, 7. September, ab 17 Uhr auf dem Vorplatz des Erwin-Piscator-Hauses zu einer Demonstration unter dem Motto #wirsindmehr ein. Die Stadtverordnetenversammlung habe das in einer Sitzung einstimmig beschlossen, teilte die Stadt Marburg mit. Der Kampf gegen Rechtsextremismus beginne in den Kommunen. „Wir sagen deshalb gemeinsam: In Marburg ist kein Platz für rechtsextremistisches Gedankengut!“, heißt es in dem Beschluss. Die Stadtverordnetenversammlung verurteile die pogromähnlichen Ausschreitungen in Chemnitz.

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65.000 besuchen Protest-Konzert #wirsindmehr

Bei dem Konzert unter dem Motto „#wirsindmehr“ spielten am Montagabend in Chemnitz Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub und die Rapper Marteria und Casper. Die Stadt bezifferte die Zahl der Besucher auf 65.000. Nach Polizeiangaben blieb es friedlich. Geplante Gegenveranstaltungen des ausländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz waren von der Stadt untersagt worden. In Chemnitz war es zuvor tagelang zu Demonstrationen von Rechtsgerichteten, Neonazis und Gegnern der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sowie zu Gegenprotesten gekommen. Anlass war, dass ein Deutscher erstochen worden war, mutmaßlich von einem Iraker und einem Syrer, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen.

51 Ermittlungsverfahren nach Demonstrationen

Der gemeinsame Demonstrationszug von AfD und Pegida am Samstag gibt der Debatte über eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz neue Nahrung. Davon unabhängig nehmen der niedersächsische und der Bremer Verfassungsschutz jetzt den AfD-Nachwuchs ins Visier.

Im Zusammenhang mit den Protesten und Demonstrationen in Chemnitz gibt es bisher 51 Ermittlungsverfahren. Meist sind die Täter unbekannt, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden mitteilte.

Von dpa / RND

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