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Politik Yücel: Das Verhör bringt mich zum Lachen
Nachrichten Politik Yücel: Das Verhör bringt mich zum Lachen
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21:35 01.03.2017
„Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen“, schreibt Deniz Yücel über die neuen Haftbedingungen. Quelle: dpa
Berlin

Nach rund zwei Wochen in Polizeigewahrsam hatte ein Richter am Montagabend angeordnet, dass Yücel vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss – der Journalist wurde deshalb in die Untersuchungshaftanstalt Metris in Istanbul verlegt. Die Bedingungen dort seien viel besser als im Polizeigewahrsam, berichtete der Journalist in einer handschriftlichen Notiz, die am Mittwoch von der „Welt“ veröffentlicht wurde – Yücel ist Korrespondent der Zeitung.

„Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen!“

„Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen“, schreibt Yücel über die Bedingungen in der Untersuchungshaft und vorher im Polizeigewahrsam. „Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescáfe! Rauchen! Zeitungen! Ein echtes Bett! Eine Toilette für mich alleine, die ich aufsuchen kann, wann ich will. Tagsüber – wenn ich will – Küche und Hof mit einer Handvoll politischer Häftlinge, abends eine Zelle für mich allein. Hier werde ich nicht lange bleiben, aber es ist okay.“

Weiter schreibt Yücel: „Obwohl sie mich meiner Freiheit beraubt, bringen mich das Verhör und die Urteilsbegründung noch immer zum Lachen.“ Er wendet sich in der Notiz auch an die Menschen, die ihn unterstützen. „Ich danke allen Freunden, Verwandten, Kollegen, und allen, die sich für mich einsetzen. Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut.“ Nach Angaben der „Welt“ gab Yücel die Notiz am Mittwoch seinen Anwälten, bevor er in das Gefängnis Silivri verlegt wurde. Dort sollen ähnlichen Bedingungen herrschen wie in Metris, schreibt die Zeitung.

Merkel fordert Yücels Freilassung

Yücel werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Ein Haftrichter in Istanbul hatte am Montag Untersuchungshaft angeordnet. Diese kann bis zu fünf Jahre dauern. Yücel hat die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit. Der „Welt“-Korrespondent hatte sich vor zwei Wochen freiwillig gestellt. Nach Angaben seiner Redaktion bestreitet er die Vorwürfe. Seine Anwälte wollen Revision einlegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte am Mittwoch die Freilassung Yücels. Unabhängiger Journalismus muss existieren können, Journalisten müssen ihre Arbeit machen können“, sagte Merkel beim Politischen Aschermittwoch der CDU Mecklenburg-Vorpommern. „Die Tatsache, dass es freie, unabhängige Medien in unserer Demokratie gibt, ist ein Teil dieser Demokratie und darf niemals infrage gestellt werden, auch wenn es unbequem ist.“ Die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um auf eine Freilassung Yücels hinzuwirken. Dieser habe nichts anderes getan, als seiner journalistischen Arbeit nachzugehen.

Von epd/RND/wer