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14:41 05.08.2013
Mit einer viertägigen Tour durchs Land von Ahrensburg bis Flensburg kehrt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig am Montag nach dem Sommerurlaub an die Arbeit zurück. Quelle: dpa
Kiel

„So große Multi-Touch-Tische wie wir stellt kein anderes Unternehmen auf der Welt her“, sagt Johannes Ryks (30), der zusammen mit seinem Studienfreund Matthias Woggon (29) die inzwischen mit vielen Preisen ausgezeichnete High-Tech-Schmiede 2009 gründete. Gemeinsam sind sie heute Geschäftsführer. „Wir sind ein dynamisch wachsendes Unternehmen“, sagt Woggon. Inzwischen tüfteln, entwickeln und programmieren 20 junge Köpfe für die Firma, elf Mitarbeiter sind fest angestellt — das Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren.
Die Multitouch-Tische sind vor allem für Präsentationen auf Messen geeignet, können aber auch für Kreativ-Abteilungen in Unternehmen dienen. Neben der Hardware entwickelt eyefactive auch seine Software selbst und bietet neuerdings in einem App-Store eigene Apps auch für Touchscreens anderer Hardware-Hersteller an. Der Clou: Es können mehrere User Apps gemeinsam an einem Tisch gleichzeitig nutzen. Der bisher längste Tisch war sechs Meter lang. „Im Prinzip können wir aber jede Länge produzieren, auch in Wellenform“, sagt Ryks.
„So'n Tisch könnte auch für die nächste Finanzplanung des Landes hilfreich sein“, sagt Albig und schmunzelt. Er sendet an sich selbst über den Multitouch-Tisch die Kontaktdaten von Ryks: Dafür reicht es, dass der Geschäftsführer seine Visitenkarte auf den Tisch legt, der die Daten sofort erkennt.
Die Startfinanzierung fürs Unternehmen gelang nur mit Hilfe öffentlicher Landes- und Bundesmittel. Albig sieht hier die Finanzinstitute in der Pflicht, Start-Ups besser zu fördern. Es könne nicht sein, dass sich Gründer bis in die vierte Generation verschulden müssten, um an Geld zu kommen. Im Vergleich zu den USA oder England sei es hierzulande immer noch sehr viel schwieriger, private Kapitalgeber zu finden, kritisiert der Politiker.
Die Unternehmensstory ist für Albig ein Paradebeispiel dafür, wie Hochschulen spätere High-Tech-Gründungen vorbereiten und unterstützen können. Woggon, der aus Preetz (Kreis Plön) stammt, und Ryks aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) entwickelten als Projekt an der Fachhochschule Wedel einen Multitouch-Tisch. Der Dekan schlug den Medieninformatik-Studenten vor, den Tisch auf der Cebit in Hannover zu präsentieren — mit großem Erfolg. „Wo kann man solche Tische kaufen?“, wurden sie immer wieder gefragt, die Idee für die Company entstand.
Und so sitzen am Montag im Wedeler Firmensitz neben den Festangestellten fünf Praktikanten der Fachhochschule und tüfteln für ihren Abschluss — wegen der Sommerhitze in kurzen Hosen und T-Shirts, einer trägt eine Baseball-Kappe. In den Pausen steht ein Fußball-Kickertisch in der Showlounge noch zum handfesten Spiel bereit — „Frauen gibt's leider selten unter Informatikstudenten“, sagt Woggon.
Im Anschluss informierte sich Albig bei Basler in Ahrensburg über digitale Kameras für industrielle und medizinische Anwendungen, Verkehrskontrollsysteme und Videoüberwachung. Am Nachmittag stand einBesuch des Regierungschefs im SOS-Kinderdorf in Lütjenburg auf dem Programm, dann eine Radeltour mit Kindern nach Hohwacht, wo am Abend noch eine Boogie-, Blues- und Folknacht für Stimmung sorgen sollte.
Am Dienstag hat Albig mit dem Systemanbieter für Meeres-, Solar- und Umwelttechnik Sea & Sun Technology ein weiteres Unternehmen im Reiseprogramm, bevor es nach Flensburg zum BMX- und Skaterpark der „Sportpiraten“ geht. Von der Förde-Stadt startet der Ministerpräsident am Mittwoch nach Sønderborg in Dänemark. Die Universität, eine Bootspartie und eine Fahrradtour mit dem Regionsvorsitzenden Carl Holst stehen auf dem Programm.
Das Radfahren darf auch am Abschlusstag der Sommertour nicht fehlen: Gemeinsam mit seinem Vorgänger Peter Harry Carstensen fährt Albig am Donnerstag von Nordstrand nach Husum, wo er sich zwei weitere Betriebe und ein deutsch-dänisches Musikprojekt anschauen wird.

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