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Schleswig-Holstein 1917 gesunken, jetzt wiederentdeckt
Nachrichten Schleswig-Holstein 1917 gesunken, jetzt wiederentdeckt
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08:51 20.08.2016
Von Heike Stüben
Von Muscheln überwachsen: Auf dem Videoportal Youtube sind Bilder des deutschen U-Boots SM UC-30 zu sehen. Quelle: Youtube
Esbjerg

Die 18 Minen und sechs Torpedos an Bord sollen noch scharf sein. Um die Fundstelle gilt deshalb ein Fisch- und Tauchverbot. Andersen, Direktor des Sea War Museums in Thyborøn, hat sich mit der letzten Fahrt des U-Bootes beschäftigt. Am 19. April 1917 empfängt die kaiserliche Marine das letzte Signal von dem Kapitän Heinrich Stenzler. Da befindet sich das U-Boot 75 Seemeilen von der norwegischen Südküste entfernt und hat Maschinenprobleme. Seit dem 21. April gilt das U-Boot als verschollen. Am 20. Juni 1917 wird die Leiche von Stenzler an der dänischen Westküste angespült. Auch zwei weitere Besatzungsmitglieder – Heinrich Carstens und Reinholdt Meissner – werden an dänischen Stränden gefunden. Man geht davon aus, dass die drei im Turm waren und herausgeschleudert wurden, während die anderen 23 Besatzungsmitglieder mit dem U-Boot gesunken sind. Doch ihr Schicksal bleibt ebenso im Dunkeln wie der Unglücksort – bis Gert Normann Andersen (67) jetzt als Expeditionsleiter mit einer Tauchfirma für eine dänische Wissenschaftssendung im Fernsehen den Meeresboden vor Esbjerg untersucht hat.

Dazu wurde ein spezielles Echosonar eingesetzt, das den Meeresboden hochauflösend abtasten und grafisch rekonstruieren kann. Unerwartet habe man dabei auf einer von Seglern häufig benutzten Route das von Muscheln überwachsene U-Boot entdeckt – laut Andersen eindeutig „UC-30“. Taucher hätten das Wrack untersucht und festgestellt, dass Minen und Torpedos noch scharf sind. Klaus Randrup, Leiter des Operationszentrums der Verteidigung, hat den Sprengstoff an Bord ebenfalls als „so gefährlich wie vor 99 Jahren“ eingestuft und ausdrücklich vor Tauchgängen gewarnt.

Die dänische Schifffahrtsbehörde hat rund um die Fundstelle ein Fischerei- und Tauchverbot erlassen. Nun soll zügig geklärt werden, ob die Minen und Torpedos entschärft werden können oder das gesamte Wrack gesprengt werden muss. Andersen will seinen Fund natürlich am liebsten im Museum präsentieren und die bereits recherchierte Geschichte von Kapitän Stenzler und seiner Mannschaft erzählen. Stenzler hatte sich 1915 freiwillig zur U-BootFlotte gemeldet und war offenbar stolz darauf. Bevor er am 30. März 1917 mit der Besatzung auslief, um südlich von Irland Seeminen zu legen, schrieb er noch seiner Mutter, dass sie in den kommenden vier Wochen wohl nichts von ihm hören werde: „Das ist kein Grund zu Besorgnis.“ Ein folgenschwerer Irrtum.

Die Mannschaft von „UC-30“ versenkt am 4. April 1917 den britischen Dampfer „Hunstanton“. Während das Handelsschiff sinkt und sich die Besatzung in letzter Minute retten kann, setzt einer der Dieselmotoren des U-Bootes aus. Als auch der zweite Motor Probleme bereitet, beschließt Stenzler, zur Basis auf Helgoland zurückzukehren. Weil die Rückfahrt durch den Kanal zu gefährlich erscheint, nimmt das Boot – verfolgt von der britischen Marine – den Weg nordwärts um Großbritannien herum, dann entlang der dänischen Westküste gen Süden. Dort haben die Briten nur wenige Tage zuvor Minen gelegt. Stimmt die Version von Andersen, dann ist „UC-30“ knapp zehn Kilometer im April 1917 westlich von Esbjerg auf eine Mine gelaufen und gesunken.

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