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Schleswig-Holstein Herr König muss ein Endlager finden
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21:00 26.12.2018
Von Florian Sötje
Die Stilllegung und der Abbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel sind beschlossen. Doch wohin mit dem Atommüll? Quelle: Christian Charisius/dpa
Kiel

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat erst vor wenigen Tagen den Abriss des Atomkraftwerks Brunsbüttel genehmigt. Damit stellt sich umso drängender die Frage: Wohin mit dem radioaktiven Müll?

KN-Redakteur Florian Sötje sprach darüber mit Wolfram König, seit 2016 Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Der gebürtige Lübecker setzt bei der Suche nach einem Endlager vor allem auf Transparenz. Nur so lasse sich dem Misstrauen vieler Bürger begegnen, sagt er.

Wolfram König ist Präsident des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Quelle: Sophia Kembowski/dpa

Herr König, wie fänden Sie es, wenn in der Nähe Ihres Wohnorts ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll gebaut würde?

Wolfram König: Wenn die Auswahl nach fachlich korrekten Kriterien und frei von sachfremden Interessenlagen erfolgt, würde ich es akzeptieren. Ich weiß aber um die Fragen und auch Ängste, die eine derartige Entscheidung auslöst. Und genau dies beschreibt die Herausforderung, vor der wir aktuell in Deutschland stehen. Die Entscheidung, in die Nutzung der Atomenergie einzusteigen, ist unumkehrbar – und damit sind nun mal auch die hochradioaktiven Abfälle mit sehr hohem Gefährdungspotential da – im Falle eines falschen Umgangs. Um die sichere Verwahrung müssen wir uns kümmern. Das heißt auch, dass wir mit den Konflikten, die mit der Endlagersuche verbunden sein werden, im Sinne des Gemeinwohls umzugehen haben. Dabei kommt es darauf an, dass die Verantwortlichen erklären, dass sich das Suchverfahren an fachlichen Kriterien orientiert hat. Nur so kann es als fair empfunden werden. Es muss nachvollziehbar sein, warum sich am Ende das Augenmerk auf den Standort in meiner Nachbarschaft richtet.

Vor der Kieler Haustür, auf der Deponie Schönwohld, sollen sogenannte frei gemessene Abfälle aus dem Abbau von Atomkraftwerken landen. Die Anwohner sind besorgt. Wenn die Menschen Atommüll hören, haben sie Angst.

Das beschreibt ein weiteres Problem. Abbruchmaterial mit Aktivitätskonzentrationen, die unter den Grenzwerten liegen, und das auf zugelassene Deponien oder sogar in die Verwertung gehen könnte, wird in öffentlichen Diskussionen häufig nicht von radioaktiven Abfällen unmittelbar aus dem Betrieb der Reaktoren unterschieden. Das Thema Atomkraftnutzung ist zudem für viele Menschen in der Bundesrepublik spätestens seit der Katastrophe in Fukushima endgültig unter „falsche Sicherheitsversprechen“ abgebucht. Es ist also eine Frage nach dem fehlenden Vertrauen in die verantwortlichen Akteure.

Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein, 2050 das Endlager stehen. Ein weiterhin realistischer Zeitrahmen?

Das ist ein sehr ehrgeiziger Zeitplan, aber es ist auch gut, dass er anspruchsvoll bleibt. Es darf noch nicht einmal der Eindruck entstehen, man würde das Ziel, ein betriebsbereites Endlager in Deutschland, aus dem Blick verlieren. So haben auch Gemeinden mit Zwischenlagern wie Brokdorf oder Geesthacht zu Recht den Anspruch darauf, eine verlässliche Perspektive zum Abtransport der Castorbehälter zu erhalten. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sicherzustellen, dass wir mit unseren jetzigen Fähigkeiten, dem Wissen, dem Geld und auch der stabilen politischen Situation, die sichere Entsorgung der Abfälle aus der Nutzung der Atomenergie zügig angehen.

Was würden Zeitverzögerungen bei der Endlager-Suche für Zwischenlager wie Krümmel oder Brokdorf bedeuten?

Wir müssen uns schon jetzt darauf einstellen, dass die zu Recht begrenzten Laufzeiten für die Zwischenlager mit hochradioaktiven Abfällen nicht ausreichen. Als die Zwischenlager Anfang der 2000er Jahre gebaut wurden, hat man die Laufzeit vor dem Hintergrund festgelegt, dass bis 2030 unter dem weiteren Verfolgen von Gorleben als Standort ein Endlager zur Verfügung stehen würde. Das haben alle im Bundestag vertretenen Parteien in einem breiten Konsens geändert. Heute müssen wir sicherstellen, dass nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik die Sicherheit der Zwischenlager gewährleistet ist, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Wir bereiten uns darauf vor, dass in etwa zehn Jahren die Betreiber die ersten Neuanträge für die Zwischenlager stellen. Diese müssen wir dann nach entsprechend umfassender Beteiligung der Öffentlichkeit bewerten.

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