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Schleswig-Holstein Betrüger setzten auf Datenschutz-Wirrwar
Nachrichten Schleswig-Holstein Betrüger setzten auf Datenschutz-Wirrwar
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12:09 10.10.2018
Von Ulrich Metschies
Eine Scheinfirma versendet Abzock-Faxe an Unternehmen. Quelle: Detlef Dreessen (Symbolbild)
Kiel

Knapp sechs Monate nach Inkrafttreten hakt es in Schleswig-Holstein erheblich bei der Umsetzung der umstrittenen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Industrie- und Handelskammer Kiel spricht weiterhin von einem „riesigen Bürokratiemonster“, das von kleinen Unternehmen „kaum zu bewältigen“ sei. Auch bei der Handwerkskammer Lübeck heißt es: „Die Verunsicherung in den Betrieben ist nach wie vor groß.“

Eine Scheinfirma verschickt Abzock-Faxe

Diese Situation machen sich jetzt auch Betrüger zunutze. Seit Anfang Oktober werden Betriebe und Freiberufler massenhaft per Fax bedrängt, ein „Eiliges FAX-Formular“ auszufüllen – angeblich, um der gesetzlichen Pflicht zur Umsetzung der strengeren Datenschutz-Regeln nachzukommen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Schreiben eine Kostenfalle. Absender ist eine „Datenschutzauskunft-Zentrale“ mit angeblichem Sitz in Oranienburg/Brandenburg. Tatsächlich gemeldet ist die Scheinfirma jedoch auf Malta.

Kammern und Datenschützer sprechen von arglistiger Täuschung

Erst aus dem Kleingedruckten geht hervor: Unternehmen, die das behördlich aussehende Schreiben beantworten, schließen ein Abo über einen angeblichen „Basisdatenschutz“ zum Preis von mehr als 500 Euro im Jahr ab. Besonders abgesehen haben es die Betrüger nach Angaben der Landes-Datenschutzbeauftragten Marit Hansen auf medizinische Berufe und Heilberufe. Zu der befürchteten Abmahn-Welle im Zusammenhang mit der DSGVO ist es laut Industrie- und Handelskammer bislang zwar nicht gekommen, doch bei dem Abzock-Fax handelt es sich auch nicht um einen Einzelfall. So berichten Unternehmen immer wieder über unaufgeforderte Anrufe, mit denen Datenschutz-Dienstleistungen verkauft werden sollen. Hansen: „Das muss nicht immer Abzocke sein, doch die Unternehmen sollten sich erst überlegen, ob sie wirklich Dienstleister brauchen und diese dann bewusst auswählen.“

Die Kapazitäten des Datenschutzzentrums sind erschöpft

Das Datenschutzzentrum des Landes würde nach Angaben seiner Chefin „gerne mehr beraten und unterstützen“, befinde sich jedoch in einer „Überlast-Situation“ aufgrund der zahlreichen Beschwerden und der unerwartet hohen Zahl von Meldungen über Datenpannen. Hier reicht das Spektrum vom fehlerhaft eingetüteten Schreiben über allgemein einsehbare Mail-Verteiler bis zu gestohlenen digitalen Medien mit großen Mengen an unverschlüsselten Patienten-Datensätzen.

Zum Thema:

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