Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Razzia bei Rechtsextremisten im Norden
Nachrichten Schleswig-Holstein Razzia bei Rechtsextremisten im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 17.04.2018
Von Niklas Wieczorek
Das Spezialeinsatzkommando der Landespolizei Schleswig-Holstein war ebenfalls an den Durchsuchungen beteiligt. Quelle: Frank Peter (Archiv)
Anzeige
Karlsruhe/Kiel

Die vier namentlich bekannten Beschuldigten, die die Gruppe spätestens Anfang 2017 gegründet haben sollen, wohnen laut Pressestelle der Generalbundesanwaltschaft in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen, auch die Wohnung einer nicht tatverdächtigen Person in Thüringen wurde durchsucht. Nach KN-online-Informationen handelt es sich unter anderem um eine Stadt im Kreis Pinneberg. Genaue Ortsangaben gab es von der Bundesanwaltschaft nicht.

Anschläge auf politische Gegner geplant

Die Personen stehen im Verdacht, eine rechtsextreme Terrorvereinigung ins Leben gerufen zu haben – mit dem Ziel, den Nationalsozialismus in Deutschland zu stärken. Dazu seien laut der Anwaltschaft auch Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen worden. Konkret seien diese Planungen aber noch nicht gewesen. Bemühungen, an Waffen, Munition sowie Materialien für Bomben zu gelangen, habe es aber bereits gegeben.

Die Durchsuchungen sollen jetzt klären, ob sich diese Vorwürfe erhärten, wie die Pressestelle mitteilte. Festnahmen gab es bisher allerdings keine, es muss also von einem Anfangsverdacht ausgegangen werden. "Die Ermittlungen dauern weiter an", sagte Staatsanwalt Markus Schmitt von der Pressestelle der Bundesanwaltschaft: "Genaueres können wir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt geben."

Spezialeinsatzkommandos waren beteiligt

Da nicht klar war, inwieweit die Personen bereits mit Waffen ausgestattet waren, seien auch die Spezialeinsatzkommandos (SEKs) der Länder beteiligt gewesen. Die weiteren kriminalpolizeilichen Ermittlungen führt jetzt das Landeskriminalamt Niedersachsen, das ebenfalls keine detaillierte Auskunft geben wollte. Ursprünglich ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft Celle, das Verfahren wurde dann am 18. Januar 2018 vom Generalbundesanwalt übernommen.

Die Bundesanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, sich spätestens Anfang 2017 unter dem Namen "Nordadler" zusammengeschlossen zu haben. Die Beschuldigten haben sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft bemüht, Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen. Ihr Ziel sei ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus in Deutschland. Dazu habe die Gruppe auch Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen, jedoch noch nicht näher geplant.

Professionelle Zusammenarbeit von Bund und Ländern

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) sprach am Abend von einer "professionellen Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern". Sie habe dazu geführt, dass auch in Schleswig-Holstein eine Wohnung durchsucht wurde, um Verdachtsmomente hinsichtlich der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung zu überprüfen. Die weiteren Ermittlungen werde das Landeskriminalamt Niedersachsen führen.

In Niedersachsen richtete sich die Razzia unter anderem gegen den im Internetauftritt der Organisation "Nordadler" genannten Hauptverantwortlichen. Es handelt sich dabei um einen 22-Jährigen aus Katlenburg-Lindau im Kreis Northeim. Das Landgericht Braunschweig hatte den Mann im Dezember als Helfer eines 27-jährigen IS-Sympathisanten zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Der 22-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts dem verurteilten Islamisten Sascha L. geholfen. Dieser war wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf Polizisten oder Soldaten zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden. Sascha L. soll vor seinem Übertritt zum Islam in der Neonazi-Szene aktiv gewesen sein.

Im Internet beschwört die Gruppierung "Nordadler" einen "alten germanischen Geist" und redet von einem "weltanschaulichen Kampf" um die "kommende Zukunft dieses alten Landes". Propagiert wird eine "deutsche Führung im eigenen Land ohne fremden Geist".

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Grundschullehrer in Schleswig-Holstein sollen ab 2020 besser bezahlt werden. Das kündigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstag an. Der vom Kabinett beschlossene Stufenplan sieht vor, dass die 7000 Lehrkräfte bis 2026 schrittweise A13 und damit rund 400 Euro im Monat mehr erhalten.

17.04.2018

Ein bisher unbekannter Tierquäler hat am Sonntag in Heide versucht, eine Katze zu erhängen. Laut Polizei schlug das Vorhaben fehl. Die Beamten suchen nun nach Zeugen, die Hinweise auf den Täter geben können.

17.04.2018

Mit 2,54 Promille ist ein Lastwagenfahrer auf der Autobahn 7 nahe Schleswig erwischt worden. In der Nacht zu Dienstag bemerkte ein Autofahrer einen in Schlangenlinien fahrenden Lastwagen und rief die Polizei, wie eine Sprecherin mitteilte.

17.04.2018
Anzeige