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Schleswig-Holstein Architektenmangel spitzt sich zu
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18:14 30.08.2018
Nicht nur die Alte Feuerwache in der Kieler Innenstadt ist wegen des „Klötzchenbaus“ umstritten. Quelle: Frank Peter (Archiv)
Kiel

Es würden in der letzten verbliebenen Ausbildungsstätte in Schleswig-Holstein, der Fachhochschule Lübeck, nur 90 pro Jahr ausgebildet, von denen aber etwa 30 aus Hamburg kämen und meist dort blieben. Dringend notwendig sei die Neugründung eines Architektur-Studienganges in Kiel. Die Schließung der beiden Ausbildungsstätten in Kiel und Eckernförde im Jahr 2008 sei ein Fehler gewesen mit inzwischen fatalen Folgen.

Die Jamaika-Regierungsfraktionen reagierten unterschiedlich. Während die FDP den Vorschlag eines weiteren Architekturstudienganges aufgreifen will, warnte die CDU vor Aktionismus. Bei den Grünen hieß es: "Die Logik, dass jedes Bundesland für sich selbst die Bedarfe in allen Berufsfeldern erfüllen muss, trägt nicht immer."

Die oppositionelle SPD unterstützt die Schaffung zusätzlicher Ausbildungskapazitäten für Architekten und Stadtplaner an den Hochschulen und befindet sich nach eigenen Angaben schon in Abstimmung mit den zuständigen Interessenvertretern. "Ob es sinnvoller ist, die bereits vorhandenen Strukturen der Fachhochschule Lübeck auszuweiten oder ob man besser in Kiel in Zusammenarbeit der Fachhochschule, der Muthesius-Kunsthochschule sowie der Christian-Albrechts-Universität einen entsprechenden Fachbereich aufbaut, kann erst nach einer Bedarfsanalyse sinnvoll entschieden werden, die die Landesregierung vorlegen muss", sagte der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Prof. Heiner Dunckel.

Nordwesten besonders betroffen

Insbesondere im Nordwesten Schleswig-Holsteins gibt es laut BDA immer weniger Architekten, daher sei in der Region eine Ausbildungsstätte extrem wichtig. Architekturbüros in Schleswig-Holstein hätten 2017 bereits mehr als 160 offene Stellen gemeldet. Hinzu kämen Probleme in den Kommunen. Allein in Kiel könnten über 20 Stellen für Stadtplaner nicht besetzt werden, und in anderen Kommunal- und Kreisverwaltungen sehe es nicht anders aus. Wegen des Architektenmangels könne nicht all das genehmigt und gebaut werden, was eigentlich möglich wäre.

Der Landesvorsitzende von Haus & Grund, Alexander Blazek, kritisierte, derzeit werde die Stadtplanung aus der Not heraus oft großen Investoren überlassen, die zur Gewinnmaximierung auf verdichtete "Klötzchenarchitektur" setzten. Dagegen könnte eine architektonische Fakultät die landestypische Baukultur weiterentwickeln. Ein Problem seien auch die sogenannten "Wildschweinsiedlungen" mit wildem Stilmix vom Toskanahaus bis zum skandinavischen Blockhaus.

Folge seien längere Genehmigungsverfahren

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) reagierte mit Zustimmung und Kritik. Er unterstütze die Forderung nach Gründung eines Architektur-Studienganges in Kiel, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. Das Fehlen von Architekten führe zu längeren Genehmigungsverfahren und macht so das Bauen von Wohnungen teurer. "Ziel muss es aber sein, die Baukosten halbwegs im Zaum zu halten."

Die Kritik an der sogenannten Klötzchenarchitektur greife zu kurz und sei eine Mär. "Kein "Klötzchen" schadet der Baukultur. Vielmehr lenkt die wiederholte Kritik von den eigentlichen Problemen im Wohnungsbau ab: den steigenden Baukosten, dem Mangel an geeigneten Baugrundstücken und den bürokratischen Auflagen", sagte Breitner. Im Übrigen habe jede Zeit ihren eigenen Baustil. "Das Wiederbeleben alter Architekturstile führt nicht selten zu hohen Kosten und scheitert nicht zuletzt an den heutigen Anforderungen beim Wohnungsbau.

Von dpa

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