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Schleswig-Holstein Angreifer galt als psychisch auffällig
Nachrichten Schleswig-Holstein Angreifer galt als psychisch auffällig
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07:53 23.07.2018
Von Niklas Wieczorek
Der mutmaßliche Täter verletzte am Freitag zehn Menschen in einem Linienbus in Lübeck.  Quelle: Markus Scholz/dpa
Lübeck

Hinweise auf eine psychische Erkrankung wollte Lübecks Oberstaatsanwältin Ulla Hingst gegenüber KN-online am Sonntag nicht kommentieren. Der Mann selbst schweigt.

Bei dem Angreifer soll es sich um den 34-jährigen Ali D. handeln, einen Deutschen iranischer Herkunft. Der Tatvorwurf des versuchten Mordes ergibt sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft aus der Auswertung der Videoüberwachung im Bus. Es bestehe der dringende Verdacht, dass der Angreifer den Bus in Brand setzen und möglichst viele Menschen verletzen wollte. Ihren Tod habe er billigend in Kauf genommen, sagte Hingst.

Zunächst habe der Mann in dem voll besetzten Bus einen Rucksack angezündet und anschließend mit einem Messer wahllos um sich gestochen. Der Angriff auf einen 21-jährigen Niederländer erfülle zudem den Verdachtsmoment des versuchten Heimtücke-Mordes. Nach einer mehrstündigen Notoperation ist das Opfer inzwischen außer Lebensgefahr.

Wohnungen in Lübeck durchsucht

Die Ermittler gehen allerdings nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. „Wir haben keine Hinweise darauf, schließen aber weiterhin nichts aus und ermitteln in alle Richtungen“, erklärte Hingst.

Noch am Freitagabend untersuchten Ermittler zwei Wohnungen in Lübeck. Im Stadtteil Kücknitz, wo der mutmaßliche Täter bis zu seiner Festnahme lebte, war er als psychisch auffällig bekannt. „Er hat manchmal rumgeschimpft auf öffentlichen Straßen oder im Supermarkt“, zitieren die „Lübecker Nachrichten“ einen Anwohner. Der Mann habe immer eine Winterjacke getragen – so wie an dem heißen Sommertag, an dem er im Bus zum Messer griff. Auch der Vater des Mannes berichtete von Problemen. Sein Sohn habe von „Strahlenangriffen durch die Wand“ gesprochen und sich „von den Nachbarn verfolgt“ gefühlt, sagte der Vater gegenüber „Spiegel Online“. Außerdem soll sich der 34-Jährige mit seiner Ex-Partnerin um das Sorgerecht für ihr gemeinsames Kind gestritten haben.

Um die Umstände aufzuklären, suchen die Ermittler weiter Zeugen. Der Bus der Linie 30, der sich auf dem Weg nach Travemünde befand, war zum Tatzeitpunkt mit etwa 70 Personen besetzt. Nach Informationen von KN-online konnten nach der Tat aber höchstens 25 befragt werden. Die Polizei hat ihre Präsenz auf der Travemünder Woche verstärkt. Das Fest war trotz des Attentats gut besucht. Rund 250.000 Gäste wurden am ersten Wochenende gezählt.

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