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Schleswig-Holstein Letzter Ausweg vor der Abschiebung: Gift schlucken
Nachrichten Schleswig-Holstein Letzter Ausweg vor der Abschiebung: Gift schlucken
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11:00 24.11.2018
Von Bastian Modrow
Flüchtlinge ohne Bleiberecht greifen zu immer drastischeren Mitteln, um ihre Abschiebung doch noch zu verhindern. Quelle: Sebastian Willnow/dpa (Symbolfoto)
Kiel

Die plötzliche Häufung von Krankheitsfällen bei Bewohnern der Boostedter Flüchtlingsunterkunft hat die Ermittler der Polizei auf den Plan gerufen. „Wenn binnen kurzer Zeit zehn Bewohner mit Vergiftungssymptomen ins Krankenhaus gebracht werden müssen, dann ist das allein schon auffällig“, sagt Nico Möller von der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Umso mehr dann, wenn es sich offenkundig überwiegend um Flüchtlinge handelt, deren Rückführung kurz bevor stand. „Schließlich haben wir Hinweise erhalten, dass eine bislang unbekannte Person giftige Substanzen in Umlauf gebracht haben soll“, so der Behördensprecher. Alle Erkrankten konnten die Klinik mittlerweile wieder verlassen und sollen nun von der Polizei befragt werden. Mit Ergebnissen rechnen die Ermittler in der kommenden Woche.

Flüchtlingsbeauftragter: Die Verzweiflung ist groß

Für den Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt, steht fest: „Derartige lebensgefährliche Handlungen begeht man nicht, wenn man nicht viel Angst hat und Schlimmes befürchtet.“ Er appelliert an die Behörden, bei Menschen, die zu solchen Taten gegen sich selbst greifen, intensiv zu prüfen, ob diesen verzweifelten Personen ein Bleiberecht ermöglicht werden kann.

Polizeigewerkschaft: Neue Qualität von Fällen

Thomas Nommensen von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) spricht angesichts der Vergiftungsfälle von einer „neuen Qualität“, Rückführungen in Heimatländer oder in andere EU-Staaten (sogenannte Dublin-Fälle) zu verhindern. „Bislang ist ein Großteil der Flüchtlinge in Ahnung ihrer bevorstehenden Abschiebung untergetaucht“, sagt Nommensen.

Aus Boostedt und Neumünster sind Fälle bekannt, in denen Flüchtlinge nachts vorübergehend in angrenzenden Wäldern campierten oder aber mit Bekannten in den Unterkünften die Zimmer und Betten tauschten. „Es ist unter Flüchtlingen bekannt, dass die Rückführungen in den Nachtstunden starten“, sagt der Gewerkschafter.

Immer wieder gebe es aber auch Fälle von Selbstverletzungen – oder aber Migranten leisten massiven Widerstand. „Es ist auch kein Geheimnis, dass sich die meisten Fluggesellschaften weigern, renitente Passagiere an Bord zu lassen, selbst wenn diese von Beamten begleitet werden“, berichtet der DPolG-Landesvize.

Land Schleswig-Holstein: Immer weniger erfolgreiche Abschiebungen

Die Folge: Nur mit größter Mühe gelingt es dem Landesamt für Ausländerangelegenheiten und der Polizei, Zuwanderer abzuschieben – im gesamten Oktober gelang dies in nur sieben Fällen. 28 Personen wurden in das EU-Land zurück gebracht, in dem sie erstmals als Schutzsuchende registriert wurden.

39 reisten freiwillig aus. Von den 138 erfolgreichen Abschiebungen seit Jahresbeginn führten 54 nach Albanien, 23 nach Armenien und elf nach Serbien. Fünf Personen wurden laut Innenministerium nach Afghanistan abgeschoben. Bei ihnen handelt es sich um terroristische Gefährder.

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