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Schleswig-Holstein „Wir brauchen mehr Ladesäulen“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Wir brauchen mehr Ladesäulen“
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09:00 04.12.2018
Von Sven Hornung
Setzt auf zunehmende Weiterentwicklung der Technik und Infrastruktur für den Plug-In-Hybrid: Autotester Jörg Michel. Quelle: Frank Peter
Groß Nordsee

Jörg Michel hatte den direkten Vergleich. Privat fährt der zweifache Familienvater einen Passat Variant Diesel, legt etwa 400 Kilometer pro Woche zurück. Er arbeitet in Altenholz und bringt seine Kinder täglich zur Schule nach Kiel-Friedrichsort. „Keine Start-Stopp-Problematik beim Anfahren, der Übergang zwischen Elektro und Benzin ist kaum spürbar, das Fahrgefühl spitze“, urteilt der Softwareentwickler nach einer Woche. Seine Kinder waren besonders von den reinen Stadtfahrten begeistert, geräuschlos glitt die Familie über die Straßen. Hier spielt der Variant GTE seine Stärken aus. „Dort sind wir nahezu ohne fossilen Brennstoff ausgekommen und haben höchstens einen Liter pro 100 Kilometer verbraucht“, sagt Jörg Michel. Wenn die Politik die Emissionswerte verringern will, sei das sicher der richtige Ansatz. „Wir wohnen aber leider etwas zu weit draußen, die Reichweite war zu gering.“ Somit legte Michel täglich von den jeweils gefahrenen Kilometern nur 50 Prozent elektrisch zurück und verbrauchte im Schnitt vier Liter auf 100 Kilometern.

Zu wenig Ladestationen in Kiel

Laut Hersteller sollen etwa 50 Kilometer elektrisch mit dem Plug-In-Hybrid zurückgelegt werden können. Michel kam eher auf 26, weil er von Groß Nordsee ins 15 Kilometer entfernte Kiel auch Autobahn und Schnellstraßen nutzt. „Das Problem ist, dass es in Kiel nur rund 40 öffentliche Ladestationen gibt und keine nahe meiner Arbeitsstelle. Sonst hätte ich sicher 90 Prozent rein elektrisch geschafft“, sagt Michel.

Plug-In-Hybrid ist flott unterwegs

Der zweifache Familienvater machte auch den Langstreckentest. Am Wochenende reiste er mit seiner Frau und den beiden Kindern in den Harz. 740 Kilometer hin und zurück, im Schnitt verbrauchte der Variant GTE etwa sieben Liter pro 100 Kilometer, rund 13 Prozent legte Michel dabei elektrisch zurück. „Wir waren flott unterwegs, aber der Unterschied zu meinem Diesel ist natürlich gering.“

Emissionsfreies Fahren muss mehr gefördert werden

Insgesamt fuhr Jörg Michel mit dem Leihwagen 1287 Kilometer. Sein Fazit: „Ich habe ausgerechnet, dass ich etwa 1,75 Euro pro 100 Kilometer mehr bezahle als mit meinem Diesel. Die Wartungskosten sind vermutlich gleich.“ Deshalb würde der Daumen eher zwischen hoch und quer liegen. Die etwas höheren Kosten sind für Michel kein Problem, der Umweltgedanke liege ihm am Herzen. Aber die Infrastruktur für Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge sollte einfach besser sein. Die Bundesregierung müsse endlich Farbe bekennen und Anreize schaffen, um die gesteckten Klimaziele zu verwirklichen. Der Umstieg sei doch eigentlich nur noch ein kleiner Schritt. „Aufgrund erhöhter Leistungsfähigkeit von Neuwagen, auch bei Plug-In-Hybriden, wird der Verbrauch jedenfalls nicht weniger. Zudem dürften diese Autos nicht wesentlich teurer sein als konventionelle Verbrenner“, sagt Michel. Aus seiner Sicht muss das emissionsfreie Fahren deutlich mehr gefördert werden. Deshalb hinterlässt der 215-PS-starke Variant GTE bei ihm leider ein kleines Fragezeichen.

Ist der Plug-In-Hybrid das Auto der Zukunft? Diese Frage wollten wir mit unserem großen Autotest beantworten. Die Leser von zehn Tageszeitungen testeten eine Woche lang zehn Passat GTE. Für den Lesertest stellte VW die Fahrzeuge zur Verfügung. Über Auswahl und Ausrichtung der Berichterstattung entscheidet allein die Redaktion.

Jörg Michel aus Groß Nordsee im Kreis Rendsburg-Eckernförde fuhr eine Woche lang für unsere Zeitung ein Plug-In-Hybridauto zur Probe.
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