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Schleswig-Holstein Das sollten Sie über Vibrionen wissen
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14:28 24.07.2018
Vibrionen fühlen sich im Salzwasser der Ostsee besonders wohl. Sie treten aber nicht überall auf und stellen für gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen keine große Gefahr dar.  Quelle: Tilmann Post

Was ist Vibrio Vulnificus?

Vibrio vulnificus (V. vulnificus) ist ein Bakterium, das natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vorkommt. Es ist salzliebend, bevorzugt aber nicht zu salzhaltige Gewässer wie beispielsweise die Ostsee. Bei länger anhaltenden kalten Wassertemperaturen, wie sie im Winter vorliegen, liegt es in einem inaktiven Zustand vor und lässt sich im Wasser nicht nachweisen. Steigen im Sommer die Wassertemperaturen über ca. 20 Grad an, wird Vibrio vulnificus aktiviert. Es lässt sich im Wasser nachweisen und seine Konzentration im Meerwasser kann sich deutlich erhöhen. Ist das Bakterium einmal durch erhöhte Wassertemperaturen aktiviert, kann es seine Aktivität auch bei sinkenden Wassertemperaturen für mehrere Wochen aufrechterhalten.

Kann der Erreger auf den Menschen übertragen werden?

Ja, es sind zwei mögliche Übertragungs- bzw. Infektionswege vorhanden: Zum einen kann eine Übertragung durch eine Wundinfektion erfolgen. Diese kann sowohl durch oberflächliche, kleine als auch durch tiefe Hautverletzungen erfolgen. Über eine vorhandene Wunde können die Bakterien beim Baden oder Wasserwaten in Meerwasser in den Körper eindringen und sich dort vermehren.

Der zweite mögliche Übertragungsweg ist der durch den Verzehr roher oder unzureichend gegarter Meerestiere wie Austern, Muscheln, Krabben und Fische. Daher werden die für den Verzehr vorgesehenen Meerestiere aus Nord-und Ostsee entsprechend kontrolliert. Hierbei  gilt, dass Meerestiere zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen generell nicht roh verzehrt werden sollten und auf gutes Durchgaren zu achten ist. Diese Lebensmittelinfektionen spielen in Regionen wärmerer Klimazonen eine bedeutende Rolle.

Welche Personen sind betroffen?

Besonders ältere Menschen mit einer schwachen Immunabwehr oder Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen in ihrer Immunabwehr geschwächt sind, können gefährdet sein. Dazu zählen vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Lebererkrankungen, Diabetes mellitus, Alkoholabhängigkeit und sonstigen, die Immunabwehr schwächenden oder unterdrückenden Erkrankungen.

Wie häufig erfolgt eine Infektion?

Infektionen mit Vibrio vulnificus sind selten, kommen aber weltweit vor. Die häufigsten Berichte kommen aus den USA (Ostküste), Japan und Taiwan. In Deutschland sind seit 1993 wiederholt Einzelfälle von Wundinfektionen nach Kontakt mit Ostseewasser bekannt geworden. Im Verhältnis zur Anzahl der Badegäste an der Ostseeküste kommt eine Infektion sehr selten vor.

Welche Erkrankungen können ausgelöst werden?

Die sehr seltene Infektion von Wunden hat nach den bisherigen Erfahrungen in mehr als der Hälfte aller Fälle einen sehr ernsthaften Verlauf mit tiefgreifenden Haut- und Gewebezerstörungen zur Folge. Dies kann wiederum zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) führen. Eine Blutvergiftung kann schnell lebensgefährlich werden, eine rasche Therapie ist deshalb sehr wichtig. Durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel können Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Durchfall und Krämpfen hervorgerufen oder auch eine schwere Blutvergiftung (Sepsis) ausgelöst werden.

Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten diese nicht dem Kontakt mit warmem Meerwasser aussetzen, insbesondere dann nicht, wenn sie an den genannten Vorerkrankungen leiden oder ein geschwächtes Immunsystem besitzen.

Was sollte bei einem Infektions-Verdacht getan werden?

In warmen Sommermonaten muss bei einem verdächtigen Krankheitsbild, insbesondere bei Wundinfektionen nach Kontakt mit warmem Meerwasser, an die Möglichkeit einer Vibrio vulnificus-Infektion gedacht werden, teilt das Gesundheitsministerium mit. Im Verdachtsfall sollte sofort ein Arzt konsultiert werden, da bei begründetem Verdacht wegen des raschen und schweren Krankheitsverlaufes eine frühestmögliche Behandlung zum Beispiel mit Antibiotika erfolgen sollte. 

Werden die Badegewässer auf das Bakterium Vibrio Vulnificus untersucht?

Das Bakterium kommt – unabhängig von möglichen Nachweisen – natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vor. Eine regelmäßige Beprobung findet nicht statt. Mehrere Untersuchungen der vergangenen Jahre lieferten unterschiedliche Ergebnisse:
Im Jahr 2011 in Schleswig-Holstein hat es ein erstes landesweites Untersuchungsprogramm zum Vorkommen von Vibrio vulnificus mit mehr als 800 Proben gegeben. Dabei konnte das Bakterium in 99,8 Prozent der Proben nicht festgestellt werden. Hierbei ist nach Angaben des Ministeriums jedoch zu berücksichtigen, dass während des eher kühlen Sommers 2011 die Wassertemperaturen während des Untersuchungszeitraumes nur selten über 20 Grad lagen.

Im Rahmen einer Pilot-Untersuchung in der Ostsee im Bereich der Travemündung wurde im Jahr 2012 in einem ausgewählten Untersuchungsgebiet) das Vorkommen V. vulnificus mit verbesserten Methoden untersucht. Dabei konnte das Bakterium in 12,2 Prozent der Proben nachgewiesen werden.
Der Pilot-Untersuchung schloss sich 2013 ein Monitoringprogramm an. Darin wurden Wasserproben aus der amtlichen Badegewässerüberwachung von Nord- und Ostsee auf das Vorkommen von Vibrionen untersucht. Dabei wurde in 28 Prozent der Ostseeproben und 4 Prozent der Nordseeproben V. vulnificus nachgewiesen.

2014 wurde im Rahmen einer vertiefenden Studie Badestellen in ausgewählten Kur- und Erholungsorten an Nord- und Ostsee auf das Vorkommen von Vibrio vulnificus untersucht. An diesen Badestellen sind vermehrt Erholungssuchende mit Vorerkrankungen oder einer bestehenden Immunschwäche zu erwarten, die neben dem eigentlichen Baden beim Strandspaziergang gerne im Wasser waten. Besonders wurde im Rahmen dieser Studie der Frage nachgegangen, ob die Belastung des Wassers mit Vibrio vulnificus im Flachwasserbereich von der im tieferen Wasser, wo die amtlichen Badegewässerproben gezogen werden, abweicht. Die Ergebnisse zeigen, dass in der Ostsee und insbesondere an einigen Küstenabschnitten mehr  Vibrionen nachgewiesen wurden als in der Nordsee, und dass die Konzentrationen im Flachwasserbereich teilweise deutlich höher waren als im tieferen Wasser.

Quelle der Informationen: Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein

Lesen Sie auch: Gesundheitsministerium warnt vor der Gefahr durch Vibrionen

Außerdem: Badewasserqualität ist trotz hohe Temperaturen weiterhin gut

Von KN-online

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