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Schleswig-Holstein Fracking kam vor 20 Jahren schon zum Einsatz
Nachrichten Schleswig-Holstein Fracking kam vor 20 Jahren schon zum Einsatz
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16:27 13.06.2016
Von Heike Stüben
Klaus Schöllhorn zeigt, wo sich Bohrloch 1 befand, hier soll auch Bohrschlamm abgelagert und Bohrwasser wieder in den Boden verpresst worden sein. Quelle: Sven Janssen
Kiel

 Die landesweit aktive Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager verlangt seit Jahren, dass die Altlasten der Erdölförderung aufgearbeitet werden. Die Initiative hat deshalb ein Auskunftsersuchen an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover gestellt. Antwort gab es nicht: Der Aufwand sei hoch, dafür müsse man 425000 Euro in Rechnung stellen. „Statt Bürger zu informieren, wurde ohne Überprüfung des Zustands des Untergrunds und der Altlasten rund ein Drittel der Landesfläche von Schleswig-Holstein für die Erdölsuche und -förderung vergeben“, kritisiert der Vorsitzende der Initiative, Dr. Reinhard Knof.

 Auch die Bürgerinitiative „Hände weg von Schwedeneck“ fordert die Aufarbeitung der Altlasten und Offenlegung aller bisherigen Erkenntnisse. „Es ist ein Unding, dass die Bewilligung für die weitere Ölförderung im Feld Schwedeneck-See vorangetrieben wird, ohne dass die grundlegenden Risiken aus der Vergangenheit, die im Boden stecken, geklärt sind“, findet die Sprecherin Prof. Lind Maria Koldau.

98 Zwischenfälle bei der Ölförderung

 Transparenz hält auch Patrick Breyer von der Piraten-Landtagsfraktion für geboten. „Es kann nicht sein, dass Auskunftsbegehren abgebügelt werden.“ Auf Anfrage Breyers hat das Umweltministerium eine Liste mit Schadensfällen durch die Ölförderung veröffentlicht. Demnach ist es zwischen 1969 und 2011 zu 98 Zwischenfällen gekommen. Dabei wurden bis zu 500 Liter Nass-Öl (Ascheberg 1969) freigesetzt. 2010 traten bei Bohrungen auf der Förderplattform Mittelplate 350 Liter Bohrspülung aus. Immer wieder wurden Flächen durch Öl verunreinigt wie jene 1500 Quadratmeter 1977 in Rendswühren.

 Klaus Schöllhorn (68), der sich im Kreis Plön gegen Fracking engagiert, ist bei seinen Recherchen zur Ölförderung auf interne Unterlagen gestoßen. Sie belegen, „dass allein im Bohrfeld Preetz zwischen 1962 und 1998 an 38 Stellen Öl gefördert wurde“. Dazu wurde bis in 2600 Meter Tiefe gebohrt. „Viele Bürger halten das Fracking für ein neues Verfahren. Aber auch das wurde hier früher bereits angewendet“, sagt der Preetzer, der beruflich mit Bergbau befasst war.

 Das Umweltministerium bestätigt das. Danach wurde Fracking bei Tiefbohrungen zwischen 1960 und 1993 an vier Standorten im Bereich Waabs/Schwedeneck-See, an vier Stellen im Gebiet Kiel, an fünf Standorten im Bereich Preetz und an acht Stellen in Plön-Ost eingesetzt. Bei Fracking wird Gas oder Öl mit hohem Druck und Zusätzen aus Gestein gelöst.

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Klaus Schöllhorn aus Preetz ist Hobby-Archäologe. Er klagt: Über die Ölbohrungen von einst wisse kaum jemand noch etwas, selbst bei den Gemeinden könne sich niemand mehr erinnern. Unterlagen müsse es noch geben, aber systematisch sei die Abfallbehandlung offenbar nie aufgearbeitet worden.

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